Tonbauwände machen Heizkörper und Klimaanlage überflüssig

EMOTON GmbH

Klimaanlagen, trockene Heizungsluft und ein hoher Geräuschpegel – das Klima in Büros ist oft belastend. Daher entschied sich Philipp Kaufmann, Miteigentümer der KaBB GmbH, beim Kauf seines Firmensitzes in Linz vor zwei Jahren für eine nachhaltige Sanierung.

Einlegen des Egger-Harfensystems zur Flächentemperierung in die Putzträgerplatten. (Bildquelle: Ines Thomsen / Emoton)

Nach Umbau: Wohlfühlklima im Großraumbüro

Kaufmann, in Österreich als „Nachhaltigkeits-Pionier“ und Mitbegründer der „Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft“ (ÖNGI) bekannt, setzte auf die Kombination aus dem Naturbaustoff Ton und hochmoderner Technik. Heiz- und Kühlwände sollten die Wärmeverteilung optimieren, hochreiner Ton das Klima verbessern.

Die 16 Mitarbeiter im sanierten Großraumbüro freuen sich über ein angenehmes Raumklima. (Bildquelle: Bene GmbH / Andrea Hirsch)

Im circa 200 Quadratmeter großen Büro im dritten Stock des circa 20 Jahre alten Gebäudes arbeiten 16 Personen, im zweiten Obergeschoss sind drei Besprechungsräume für jeweils vier, acht und 20 Mitarbeiter sowie ein Aufenthaltsraum mit Küche auf ebenfalls 200 Quadratmetern untergebracht.

Bei der Sanierung spielte der Naturbaustoff Ton eine Schlüsselrolle. „Ton ist wie ein Schwamm“, erklärt Norbert Kaimberger, Geschäftsführer von Emoton. „Überschüssige Luftfeuchtigkeit wird gespeichert und erst wieder abgegeben, wenn die Luft wieder trockener wird. So entsteht ein ausgeglichenes Raumklima.“ Gleichzeitig entzieht der hochreine Naturbaustoff der Luft mikroskopisch kleine Schadstoffe und speichert sie dauerhaft.

Montage von gefrästen Putzträgerplatten an die bestehenden Wände. (Bildquelle: Ines Thomsen / Emoton)

Da das Thema Nachhaltigkeit im Fokus der Sanierung stand, wurde die alte Klimatechnik nach Möglichkeit einer neuen Nutzung zugeführt. Eines der alten Multisplitgeräte ist jetzt für die Kühlung der Emoton-Oberfläche zuständig. Ein Teil der Innensplitgeräte wurde entfernt und stattdessen ein Hydromodul montiert, das vier wassergeführte Heiz-/Kühlkreise versorgt. Die restlichen Innengeräte werden in wenig genutzten Nebenräumen weiterverwendet.

Zur Flächentemperierung kommt das bewährte Harfensystem von der Egger Wohlfühl-Klima GmbH zum Einsatz. Im ersten Schritt wurden die alten Heizkörper ausgebaut, dann fünf Zentimeter starke Heiz-Kühl-Wände angebracht und an ausgewählten Stellen Zwischentrennwände mit Heiz-Kühl-Funktion aufgestellt. Der Vorteil: Wandheizungen geben ihre Wärme sehr gleichmäßig als Strahlung ab, was als besonders angenehm empfunden wird. Zudem gibt es fast keine Staubverwirbelungen.

Einpressen der Tonputzschicht in die Fugen des Harfensystems. (Bildquelle: Ines Thomsen / Emoton)

Im Sommer wird zum Kühlen kaltes Wasser durch die Leitungen geschickt – ohne störende Geräusche und Zugluft. In die Besprechungsräume wurden 60 Quadratmeter Heiz-Kühl-Wand und 40 Quadratmeter Trockenbauzwischenwände mit Tonputz – beidseitig mit Heiz-Kühlfunktion – installiert. Für mehr Raumhöhe wurde die Mineralfaserdecke entfernt. Auf rund 120 Quadratmetern Betondecke wurde Emoton „Area“ als Akustikputz grob mit einer Förderpumpe gleichmäßig aufgespritzt. Dank der groben Oberflächenstruktur mit vielen offenen Poren hat sich die Nachhallzeit in diesen Räumen deutlich reduziert. Die übrigen circa 120 Quadratmeter Bestandswände wurden dann mit Emoton-Tonspachtel „Area“ gespachtelt oder mit Tonfarbe gestrichen.

Wärmebild-Vergleich Körpertemperatur-Oberflächentemperatur im 2. OG. (Bildquelle: Emoton)

Da das Großraumbüro möglichst schnell wieder bezugsfertig sein sollte, wurden hier Tontrockenbauplatten „Panello“ statt des Tonputzes montiert, was den Bauablauf deutlich verkürzte. Verbaut wurden 60 Quadratmeter Heiz-Kühlwand mit Tonbauplatte, 30 Quadratmeter Trockenbauzwischenwände mit Tonbauplatten und beidseitiger Heiz-Kühlfunktion sowie 90 Quadratmeter Deckentemperierung in der Mineralfaserdecke.
Die Klimaanlage wurde seitdem nicht mehr angestellt. Die Kühlleistung der verbauten Flächenkühlung beider Geschosse beträgt überzeugende 15 kW. Ein besonderes Highlight des renovierten Büros ist das sogenannte „Strohkammerl“. Die schallgedämmte Telefonbox mit fünf Zentimeter dicken Strohwänden und Tonspachtel außen sorgen für die nötige Ruhe bei lauten Telefonaten.

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