Das Quartier als planerischer Mikrokosmos

Nachhaltigkeitsziele

Nachhaltigkeitsziele werden immer seltener für Einzelgebäude formuliert, sondern beziehen weiträumige Gebiete wie z.B. ganze Wohnquartiere ein. Daraus ergibt sich der Bedarf nach mehr Kompetenzen, Werkzeugen und Prozessen, die für die Planung in diesem Massstab geeignet sind. Bildquelle: Dreispitz Areal Basel, Christoph Merian Stiftung

Die funktionale Entmischung von Wohn-, Gewerbe-, Geschäfts- und Freizeitzonen hat zur Zersiedlung geführt. Dadurch haben sich die Distanzen vergrössert und die Menschen sind abhängiger vom Individualverkehr geworden. Die Folgen: hoher Energieverbrauch, Verkehrsüberlastung, Lärmbelastung und Umweltverschmutzung. Gleichzeitig bedingt die Ausbreitung, dass zusätzliche Infrastruktur geschaffen wird. Der Anschluss neuer Bauten an Infrastrukturen wie Verkehrswege, Abwasserentsorgung sowie Wasser, Gas- und Stromversorgung wiederum bringt zusätzliche Kosten mit sich. All dies sind Gründe, warum im Rahmen des Raumkonzepts Schweiz die Verdichtung der bebauten Umgebung ins Zentrum gerückt ist. Als Alternative zum periurbanen Einfamilienhaus sollen die Lebensbedingungen in Städten oder Ortszentren aufgewertet werden. Aus der planerischen Perspektive besonders gut geeignet hierfür: das Quartier.

Komplexer und dynamischer Prozess

Ausschliesslich auf quantitative Verdichtung zu setzen, wäre zu kurz gegriffen. Für eine nachhaltige Quartierentwicklung müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein. Dazu gehören u.a. die funktionale Durchmischung, nachhaltige Mobiliät, hohe ökologische Qualität oder intergenerationelle sowie soziale Durchmischung. In den Planungsprozess müssen entsprechend zahlreiche Parameter integriert und ökologische, wirtschaftliche sowie soziokulturelle Aspekte einbezogen werden. Dies bedeutet eine hohe Komplexität, gleichzeitig wird jedoch gewährleistet, dass früh im Lebenszyklus eines Bauvorhabens ein Maximum an Informationen als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung steht.

Um ein flexibles Werkzeug für die Planung und Erneuerung von Quartieren zur Verfügung zu stellen, haben das Bundesamt für Energie (BFE) und das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) das kostenlose Instrument «Nachhaltige Quartiere by Sméo» entwickelt. Dieses setzt Projekte in den Kontext der Grösse des Bauvorhabens, der geplanten Eingriffe (Bauten, Renovation, Umgestaltung) als auch des Entwicklungstandes. Ausserdem erlaubt es, die relevanten Kriterien nach Lebenszyklusphasen auszuwerten und für jede Projektetappe zusammenfassend zu beurteilen.

In der Schweiz gibt es bereits diverse Projekte, die sich der nachhaltigen Quartierentwicklung verschrieben haben. Dazu gehören das Dreispitzareal in Basel und Münchenstein, das von einer Gewerbe- und Industriezone in ein urbanes und mischgenutztes Quartier transformiert wird. Auf dem ehemaligen Gelände der Genfer Stadtwerke entsteht ein Ökoquartier, das bezüglich Verkehrsmanagement, Mobilität und Durchmischung Vorbildcharakter haben soll. Als eines der am dichtesten bewohnten Stadteile von Zürich wurde dem Quartier Bullinger durch den Umbau der Westtangente zu einer Quartierstrasse zu ganz neuer Lebensqualität verholfen. Bei all diesen Projekten kam das Instrument Nachhaltige Quartiere by Sméo zum Einsatz. Als Open-Source-Programm ist es kostenlos nutzbar z.B. unter www.nachhaltige-quartiere.ch.

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