24.02.2020 | Ausgabe 01/2020 (#95)

Baustoffe retten

Baustoffe wiederverwenden oder vor dem Wegwerfen retten – eine Online-Plattform möchte zu mehr Kreislaufwirtschaft im Bausektor beitragen. // Foto: restado.de

Ressourcenverschwendung ist ein Thema in unserer Gesellschaft. Immer mehr verstehen, dass es in unserer Verantwortung liegt, wie wir mit unserem Planeten umgehen. Auch die Baubranche befindet sich in einem Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit. Das Start-up restado.de integriert neue Kreisläufe in der Baubranche und ermöglicht es dadurch jedem, zum Baustoffretter zu werden.

Wir verbrauchen heute 1,75-mal mehr Ressourcen, als die Erde uns langfristig bieten kann. Der Earth Overshoot Day wurde 2019 bereits Ende Juli erreicht. Das gesellschaftliche Engagement zum Thema Ressourcenschonung wandelt sich glücklicherweise. Immer mehr wollen mit einem guten Gewissen konsumieren. Schüler gehen für eine klimafreundliche Politik und Zukunft auf die Straße, die Eltern posten auf Instagram unter den Hashtags #noplanetb und #zerowaste. Vor allem die Baubranche spielt bei einer ressourceneffizienten und klimaneutralen Wirtschaft eine entscheidende Rolle. Sie verbraucht etwa 40 Prozent aller globalen Ressourcen und ist ein großer Produzent von Emissionen und Müll. Oft landen noch brauchbare Baustoffe einfach im Müllcontainer. Nicht selten befinden sich darunter sogar neue oder noch neuwertige Baustoffe. 

Das ehemalige Fasslager einer Brauerei soll saniert und mit Second-Hand-Baustoffen aufgestockt werden. // Foto: Hütten und Paläste Architekten

Das Problem: Die schnelle Entsorgung von übrigen und noch brauchbaren Baustoffen scheint auf den ersten Blick oft unkomplizierter. Lagerflächen sind begrenzt und der Aufwand, einen neuen Abnehmer zu finden, erscheint vielen zu hoch. So werden jedoch zahlreiche wertvolle Ressourcen sinnlos vernichtet. Dazu kommt, dass die Entsorgung meist sogar auch noch teuer ist. 

Auf der anderen Seite ist ein Trend hin zum nachhaltigen Bauen erkennbar. Überall entstehen nachhaltige Bauprojekte, sogar ganze Häuser werden aus recycelten Baustoffen gebaut. Hier ist das Problem, dass es nur wenige Informationsquellen zum nachhaltigen Bauen gibt und es nicht immer einfach ist, das benötigte Material zu finden. 

Das Team von restado.de hat deshalb eine Onlineplattform entwickelt, mit der in der Baubranche ein Wandel von einer Wegwerfmentalität hin zu einer Circular Economy gelingen kann. Heimund Handwerker sowie Hersteller und Baumärkte können auf restado.de übrige Baustoffe anbieten und/oder günstig erwerben. Damit Verkäufer und Käufer möglichst schnell zueinander finden, ist das Einstellen und Suchen auf restado. de effizient und bauspezifisch gelöst. 

Eine Baustoffkarte ermöglicht beispielsweise, Baustoffe in der eigenen Region zu finden, um Transportwege zu minimieren. Mit restado.de entstehen dadurch neue Kreisläufe der Wiederverwendung für Baustoffe.

„Wir wollen jeden zum Baustoffretter machen“ sagt Ulrike Schock, Mitgründerin von restado.de. „Jeder kann einen ökologischen Beitrag leisten. Je mehr Baustoffe gerettet und wiederverwendet werden, desto größer ist der Einfluss auf die Baubranche.“

Die Plattform ist kostenlos und wird auch von DIY-Communities, Urban-Mining- Vereinen und nachhaltigen Herstellern und Händlern genutzt, sodass restado.de inzwischen ein Angebot von mehreren Tausend Baustoffen in Deutschland anbieten kann.

Crowdsourcing – ganz real
In einem Pilotprojekt wollen restado.de und TRNSFRM eG ein Haus mit wiederverwendeten Baustoffen „aus der Crowd“ bauen. Wer Interesse hat, kann seine übrigen Baustoffe über die Plattform für das Bauprojekt „CRCLR Haus“ in Berlin (Neukölln) anbieten. So entsteht ein einzigartiges Konzept von Crowdsourcing, bei dem jeder mitmachen und Teil des Bauprojekts werden kann. 

Die Baugenossenschaft TRNSFRM eG baut das CRCLR Haus (CIRCULAR = Englisch für zirkulär) als Begegnungsort mit Veranstaltungen und Kollaborationen für zirkuläre Themen.

Das CRCLR- Haus ist ein Fasslager der ehemaligen Kindl Brauerei, welches sensibel saniert und anschließend um 2,5 Geschosse erweitert werden soll. Für die Neuplanung des Gebäudes war es der Baugenossenschaft unter anderem wichtig, vor Ort gegebenen Materialien weiterzuverwenden und die zusätzlich benötigten Materialien aus Umbauten und Rückbauten von anderen Gebäuden zu verwenden. 

Unter dem Stichwort „Urban Mining“ wird die Stadt zum Rohstofflager und übriges Baumaterial zum Wertstoff für neue Gebäude. Damit ein Markt für diese Materialien entstehen kann, entwickelte restado.de eine bauspezifische Plattform für den Handel mit übrigen Baustoffen, um sie vor kostenintensiver und umweltbelastender Entsorgung zu retten.


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