24.02.2020 | Ausgabe 01/2020 (#95)

So geht´s

Zu Fuß gehen – noch immer die ökologischste Art der Fortbewegung. Leider wird ihr viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. // Foto: Jacek Dylac

Dem bisher eher vernachlässigten Thema Fußverkehr widmet sich ein neuer Difu-Sammelband. Er liefert einen Überblick, behandelt kontroverse Themen, präsentiert neue Forschungsergebnisse und bietet nachhaltige Lösungskonzepte an.

Zu Fuß gehen ist eine weitgehend unterschätzte Art der Fortbewegung.
Aufgrund der geringen Distanzen, die zurückgelegt werden, wird er teilweise noch nicht einmal als Verkehr wahrgenommen. Spricht man vom Fußverkehr, erntet man in der Regel ein müdes Lächeln. In vielen Kommunen hat er noch nicht einmal eine eigene Zuständigkeit, sondern wird allenfalls „mitgedacht“. Zufußgehende sollen den fließenden motorisierten Verkehr möglichst wenig stören: Deshalb sprinten wir über Kreuzungen, nehmen weite Umwege bis zur nächsten Ampel in Kauf und quetschen uns auf engen Bürgersteigen vorbei an parkenden Autos. Die stiefmütterliche Behandlung Zufußgehender  verwundert angesichts der Bedeutung des Fußverkehrs. In den deutschen Städten ist im Durchschnitt jeder vierte Weg ein reiner Fußweg, in Kombination mit dem öffentlichen Verkehr hat er eine noch weitaus größere Bedeutung. Und immer mehr Städte entdecken die Attraktivität, die damit verbunden ist, wenn das Gehen mehr Raum bekommt. Die Stadt wird durch viele zu Fuß Gehende zum zweiten Wohnzimmer.  

Der aktuell erschienene Sammelband
„So geht`s – Fußverkehr in Städten neu denken und umsetzen“ greift diesen Trend auf. Die Veröffentlichung ist seit vielen Jahren die erste, die diese Art der Fortbewegung in den Mittelpunkt der Verkehrsplanung rückt. Dabei geht es um weit mehr als den reinen Transit von A nach B. Zu Fuß Gehende haben keine „Knautschzone“ wie das Auto, sie reagieren sensibel auf alle Arten von Störungen wie Witterungseinflüsse, Lärm, Verschmutzung, schlechte Luft oder monotone Architektur. Zu Fuß zu gehen bedeutet, sich der Öffentlichkeit auszusetzen. Zu Fuß gehen macht aber auch gerade deshalb ungeheuren Spaß. Aktive Mobilität tut körperlich gut, ist gesund, entschleunigt, lässt auch die Gedanken einmal wandern, macht Zufallsbegegnungen möglich und verschafft Erlebnisse, die wir aus der Windschutzscheibenperspektive gar nicht wahrnehmen können.

Vielerorts gilt es jedoch, erst einmal im Straßenraum Platz zu schaffen. Denn der Bürgersteig gerät buchstäblich unter die Räder, sei es durch (illegal) parkende Autos, wild abgestellte E-Scooter, Leihräder oder durch Radfahrende. Der Schlüssel für die zunehmend unversöhnlich ausgetragenen Konflikte liegt genau neben dem Bürgersteig: auf dem Parkstreifen und der Fahrbahn. Denn sowohl dem fahrenden als auch dem ruhenden Verkehr steht in den Städten ein immenser Raum zur Verfügung, dessen Unantastbarkeit dringend in Frage gestellt werden sollte. Und wer will, dass sich die Zufußgehenden – mit der umweltfreundlichsten Bewegungsform – die Stadt zurückerobern, muss aus Straßen und Plätzen Orte machen, die zum Gehen einladen. Ein spektakuläres Beispiel für eine gelungene Fußverkehrsinfrastruktur wird in dem Sammelband am Beispiel der Stadt Rotterdam vorgestellt. Die als temporäres Projekt geplante dortige Luchtsingel- Brücke ist inzwischen aus der Stadt nicht mehr wegzudenken. Mit Crowdfunding finanziell unterstützt, verbindet die Brücke drei Stadtteile und ist für die ganze Stadt zu einem neuen Wahrzeichen geworden.

Der in der Edition Difu erschienene Sammelband gibt Kommunen Anregungen, wie der Fußverkehr konsequent gefördert werden kann. Die Beiträge bieten einen fundierten Einstieg ins Thema.
www.difu.de


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