12.12.2019 | Ausgabe 6/2019 (#94)

Konsequent nachhaltig

Viergeschossiger Holzbau mit Holzfaserdämmung in Weimar. Foto: Jörg Bleicher

Das Mehrfamilienhaus im Weimarer Jugendstil-Viertel ist eine zeitgemäße Form der städtischen Nachverdichtung mit nachwachsenden Rohstoffen. Holz dient hier nicht nur als Konstruktions- sondern auch als Dämmmaterial.

Die denkmalgeschützte Westvorstadt in Weimar gehört zu den schönsten Wohnvierteln der Stadt. In einer exponierten Lage und umgeben von Jugendstilvillen ist hier 2017 ein modernes Mehrfamilienhaus in Holzrahmenbauweise entstanden. Entworfen hat es das Weimarer Architektur- und Ingenieurbüro KOOP. Das viergeschossige Gebäude bietet auf jeder Ebene eine Wohnfläche von ca. 120 m2, wobei das oberste Staffelgeschoss mit Ateliercharakter eine geringere Grundfläche aufweist. Diese Gliederung des Baukörpers ist seit Gründung der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule ortstypisch und wurde von den Architekten bewusst übernommen. Weitere räumliche Anpassungen an die Umgebung sind neben dem Ateliergeschoss auch die Gebäudehöhe, die heterogene Fassadengestaltung sowie die Fenster aus Nussbaumholz.

Durch die Nachverdichtung entsteht hochwertiger Wohnraum inmitten eines gewachsenen Viertels. Foto: Jörg Bleicher

Auskragungen und Vorsprünge

Auffällig sind auch die Auskragungen und Vorsprünge, die wie eine moderne Antwort auf die benachbarten Jugendstilbauten mit Türmchen und Erkern wirken. Die raumhohen Verglasungen sowie das farblich abgesetzte Treppenhaus aus Sichtbeton geben die besondere Gestaltqualität des Gebäudes wieder.
Zum Schutz vor Feuer und aus Gründen der Energieeinsparung ist es vom beheizten Holzbau völlig entkoppelt und bietet durch einen Aufzugsschacht einen barrierefreien, im Erdgeschoss sogar den rollstuhlgeeigneten Zugang zu den Wohnungen. Neben der nahezu ausschließlichen Verwendung ökologischer Baustoffe wird das Gebäude auch mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz beheizt.
In diesem Fall ist es eine Pelletheizung (Biomasse), die dem gesamten Gebäude Heizenergie und Brauchwasserwärme liefert. Der Grundriss bietet ein offenes Wohnkonzept, das mit großzügigen Eingangsdielen und Wohnräumen mit integrierter Küche und Essplatz umgesetzt wurde. Über drei Balkone auf den ersten Etagen sowie zwei Dachterrassen im Ateliergeschoss können die Bewohner außerdem den Blick über den Garten genießen.

Auf vier Ebenen: Durchgängiger Holzrahmenbau. Foto: Jörg Bleicher

Schlanke Außenwände in Baulücken

Trotz eines höheren Planungsaufwands gegenüber dem konventionellen Bauen haben sich die Architekten und Bauherren für den Holzrahmenbau entschieden. Denn Holz gewinnt mehr und mehr an Bedeutung – vor allem in der städtischen Nachverdichtung. Als nachwachsender Rohstoff steht er für zeitgemäßes Bauen und ist gemessen an den kurzen Transportwegen, dem geringen Eigengewicht und der energie- und klimaneutralen Verarbeitung ökobilanziell unschlagbar.
Ressourcenintensive Materialien wie Eisen, Stahl oder Aluminium waren vor allem ab der Industrialisierung im Stadtbild vorherrschend. Doch mit Beginn der Klimaforschung wurden Forderungen nach umweltbewusstem Bauen lauter.
Der Anstieg des CO2-Gehalts in der Atmosphäre und der damit einhergehende Klimawandel waren real. In den vergangenen drei Jahrzehnten wurden daher politische Rahmenbedingungen angepasst, Technologien vorangebracht und innovative Holzbausysteme entwickelt. Heute sind die Vorteile des Holzbaus nicht mehr von der Hand zu weisen. Holz kann nicht nur Kohlenstoff langfristig binden und dadurch zum Klimaschutz beitragen. Auch die Bauweise besticht in ihrer Flexibilität z. B. bei Aufstockungen, Bestandsbauten oder Baulücken. Anders als bei klassischen Bauweisen lässt sich mit Holz ein verhältnismäßig schlanker Wandaufbau gestalten, der eine große Wohnflächenauslastung zulässt. Bei dem Mehrfamilienhaus entstanden bei einer 31 cm dünnen Außenwandkonstruktion so Grundrisse zwischen 120-123 m2 – das hätte ein Massivbausystem in dieser Baulücke nicht umsetzen können.

„Zimmer im Freien“: große Balkone als erweitertes Wohnzimmer in der städtischen Bebauung. Foto: Jörg Bleicher

Industrielle Vorfertigung

Weitere Vorteile lassen sich auch an der Bauzeit von Holzhäusern ablesen. Durch die industrielle Vorfertigung der großformatigen Holzbauteile (hier: 3 x 12 m) stand der Holzrohbau in Weimar beispielsweise innerhalb von nur drei Wochen. Für Nachbarn und Anwohner bedeutet dies eine geringere Schmutz- sowie Lärmbelästigung.
Lange Zeit wurden dem Holzbau aber auch Nachteile zugeschrieben, vor allem in Bezug auf Raumklima und Wärmeschutz. Heute sind diese längst widerlegt, nicht zuletzt aufgrund jahrzehntelang angewandter Forschung und Praxiserfahrung auf allen Ebenen in Architektur, Handwerk und Bauphysik.
Neben seiner Tragfähigkeit gilt Holz heute auch als ein besonders wärmedämmendes Material. Es besitzt natürliche klimaregulierende Fähigkeiten und sorgt so in geschlossenen Räumen für ein optimales Klima.

Sonderpreis Holzbau

Für das zukunftsfähige Bauen erhielt das Mehrfamilienhaus in der nördlichen Wilhelm-Külz-Straße 2017 den Sonderpreis Holzbau des Thüringer Staatspreises für Ingenieurleistungen. Laut Jury wurden „bei diesem Baukörper Nachhaltigkeit und Ökologie konsequent umgesetzt“, da „nicht nur alle tragenden und aussteifenden Teile aus Holz sind, auch die eingebrachte Dämmung besteht konsequenterweise aus ökologischer Holzfaserdämmung.“ Der Holzrahmenbau wurde in einem Raster von 62,5 cm aus Konstruktionsvollholz erstellt und mit flexiblen Holzfaserdämmmatten ausgefacht. Nach innen bildet eine zum Teil sichtbare Brettsperrholzplatte den Abschluss. Nach außen wird der Wandaufbau durch eine Dampfbremse, eine Holzfaserdämmplatte als Putzträger und einem zweischichtigen Putzsystem abgeschlossen.

Als Dämmmatte und Putzträgerplatte wurden die Produkte Gutex Thermoflex und Gutex Thermowall NF verwendet. Die Dämmlösungen aus Schwarzwälder Tannen- und Fichtenholz werden aus nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen und gelten daher als baubiologisch vorteilhafte Alternative zu Fassadendämmstoffen aus Polystyrol oder anderen Kunststoffen.

Aufrichten des Holzbaus durch die Holzbau Pfeiffer GmbH aus Remptendorf. Foto: KOOP Architekten und Ingenieure

Ökologische Dämmung

In den kalten Jahreszeiten geht besonders viel Wärme über die Außenwände verloren, wenn diese nicht gut gedämmt sind. Wärmedämmverbundsysteme aus Holzfasern vereinen die positiven Eigenschaften eines bewährten Systems mit den Vorzügen des natürlichen Rohstoffs Holz. Wandaufbauten mit Holzfaser-WDVS weisen sehr gute Wärmedämmeigenschaften auf und bieten aufgrund der hohen Rohdichte und Wärmespeicherfähigkeit auch einen sehr guten Hitzeschutz.

Als einziger Hersteller auf dem Markt besitzt Gutex für das WDV-System Gutex Thermowall sowohl für holzbasierte als auch für mineralische Untergründe eine umfassende allgemeine bauaufsichtliche Zulassung mit einer Vielzahl von Putzsystem-Alternativen. Denn neben den technischen Werten spielt bei der Auswahl des geeigneten Dämmmaterials schließlich auch die einfache Handhabung in der Planung und Verarbeitung eine wichtige Rolle. Für einen raschen Ablauf und Baufortschritt auch im Winter können so beispielsweise die 1800 x 600 mm großen, 60 mm dicken Platten unabhängig von der Witterung und selbst bei Minusgraden installiert werden. Bis zu fünf Monate ist die Putzträgerplatte des Fassadendämm-Systems bei Beachtung der Verarbeitungshinweise frei bewitterbar.

Auch die Holzfaserdämmmatte Thermoflex ist besonders verarbeitungsfreundlich: Sie lässt sich einfach in die Holzrahmenkonstruktion einklemmen und verursacht beim Zuschnitt weniger Staub im Vergleich zu anderen Holzfaserdämmstoffen. So punktet sie bei Sauberkeit der Baustelle und Gesundheit des Verarbeitenden.

Schallschutz

Das Mehrfamilienhaus in Weimar liegt unweit entfernt von der gepflasterten und vor allem viel befahrenen Humboldtstraße und ist somit höheren Schallpegeln ausgesetzt. Durch die Verwendung von Holzfaserdämmstoffen konnte der Schallwiderstand der Außenbauteile verbessert und die Lärmbelastung in den Wohnräumen deutlich reduziert werden.

Sehr guter Wärmedämmschutz, hervorragende Schalldämmung, ausgewogenes Raumklima, eine flächensparende Konstruktion und dazu noch eine schnelle, saubere und einfache Montage: Mit den Gutex-Dämmlösungen konnte in Weimar ein Stück rundum nachhaltige Architektur realisiert werden.


Newsletter
Ja, ich möchte den Newsletter von greenBUILDING abonnieren