12.12.2019 | Ausgabe 6/2019 (#94)

Alte Ziegelei – neues Wohnen

Moderne Ziegelarchitektur bietet hohen Wohnkomfort: In Bad Vilbel wurde zwischen 2016 und 2019 ein neues Quartier mit insgesamt 87 Wohnbauten errichtet. Früher befand sich an dieser Stelle ein familienbetriebenes Ziegelwerk. Foto: Unipor

Umfangreiches Wohnungsbauprojekt in Bad Vilbel: Auf einem ehemaligen Ziegeleigelände im Stadtteil Massenheim wurden seit 2016 in drei Bauabschnitten 87 Einfamilienhäuser errichtet – in Ziegelbauweise, auch, aber nicht nur aufgrund der Geschichte des Standorts.

Der Standort des im Jahr 2016 gestarteten Wohnungsbau-Projekts nördlich von Frankfurt am Main in Bad Vilbel – auch „Stadt der Quellen“ genannt – hat eine ganz besondere Geschichte. Dabei kommt dem Mauerziegel spezielle Bedeutung zu. Im Jahr 1898 wurden erstmals auf dem Gelände der Firma Keraform Ziegel hergestellt, seit 1936 unter der Leitung der Familie Strauch. Dabei konzentrierte sich das in dritter Generation von Diplom-Kaufmann Michael Strauch geführte Unternehmen zunehmend auf die Herstellung von Spezialziegeln. Um Platz für ein attraktives Wohnquartier zu schaffen, wurde vor drei Jahren die Produktion an zwei Standorte in Bayern mit ebenso günstiger Rohstoffbasis verlagert. Auch die meisten Maschinen wurden dorthin verfrachtet.

Auf dem ehemaligen Ziegeleigelände kam für das neue Quartier aufgrund der Historie nur eine Baustoffgattung in Frage: Die Wahl fiel schließlich auf den „Unipor WS08 Coriso“-Mauerziegel, der mit hervorragenden bauphysikalischen Werten punktet. Foto: Unipor

Heterogenes Häuserangebot

Schon lange vor dem Auslaufen der Ziegelproduktion beschäftigte sich ein vom Bauherrn beauftragtes Experten-Team mit der Wohnbebauung des nun freien, circa 3,6 Hektar großen Geländes. „Die Entscheidung, ausschließlich Einfamilienhäuser zu errichten, war der Marktsituation geschuldet“, erläutert Claus Klohk, der Keraform-Geschäftsführer Vertrieb. „Viele junge Familien suchen in der Region nach eigenen bezahlbaren Wohnimmobilien oder Häusern zur preisgünstigen Miete. Außerdem wollten wir durch verschiedene Haustypen ein monoton wirkendes Erscheinungsbild des neuen Wohnquartiers vermeiden. Deswegen wurden zusätzlich zu freistehenden Einfamilienhäusern auch Doppel- und Reihenmittelhäuser in sogenannten Hausgruppen errichtet.“ Zudem wird die Nachfrage nach besonders hochwertigen, villenartigen Gebäuden befriedigt: Diese „Luxushäuser“ werden ebenfalls zum Kauf oder zur Miete angeboten.

Individuelle Gestaltung

Das angestrebte heterogene Erscheinungsbild des Quartiers drückt sich auch in der individuellen Gestaltung der Gebäude aus. Neben einigen Häusern mit Satteldach dominieren kompakte dreigeschossige Baukörper mit Flachdach die Wohnanlage. Reizvolle Wandverkleidungen im Bereich der Eingangsfassaden und zurückgesetzte Obergeschosse setzen gezielt optische Akzente. Bei der Planung der Häuser und ihrer Grundrisse stand Funktionalität im Vordergrund. So war immer ein Untergeschoss vorgesehen. Außerdem genügen alle Häuser gehobenen Komfortansprüchen– mit beispielsweise Bodenbelägen aus Echtholzparkett und hochwertigen Badeinrichtungen. Die Luxushäuser sind zudem häufig mit moderner Einbauküche, Kamin und Sauna ausgestattet.

Dank des „Unipor WS08 Coriso“-Ziegels erreichen die modernen Neubauten im hessischen Bad Vilbel Topwerte in Sachen Wärme- und Schallschutz. Foto: Unipor

Schlanke Ziegelbauweise

Bei der Festlegung der Bauweise lag die Präferenz zwangsläufig auf dem Einsatz von Mauerziegeln. Der ausgewählte Unipor WS08 Coriso konnte die Anforderungen des Bauherrn an eine stabile und nachhaltige Außenwand in monolithischer Bauweise in besonderem Maß erfüllen. Neben den klassischen Eigenschaften in Sachen Brandschutz und Regulierung der Raumfeuchte und-temperatur spielte bei der Entscheidung für die Verwendung des gefüllten „Alleskönners“ insbesondere auch die bauphysikalischen Werte eine Rolle.

Zwar strebte der Bauherr keinen bestimmten KfW-Energieeffizienzstandard an. Trotzdem sollten die Außenwände aus ökologischen und ökonomischen Gründen hohen baulichen und zukunftsorientierten Wärmeschutz gewährleisten. Das im Erd- und Obergeschoss eingesetzte 30 Zentimeter dicke Außenmauerwerk gewährleistet mit einer beidseitigen Verputzung einen Wärmedurchgangskoeffizienten von nur 0,21 W/(m²K). Es unterbot damit deutlich den nach EnEV 2014/16 geforderten Wärmedämmwert für die Außenwand von 0,28 W/(m²K). In den Untergeschossen wurde hingegen aus wirtschaftlichen Gründen in gleicher Mauerwerksstärke der herkömmliche, nicht gefüllte „Unipor W10 Planziegel“ verwendet.

Hoher Schallschutz inklusive

Ein garantiert hoher Schallschutz ist ein zentrales Kriterium für Wohnkomfort und war ebenfalls ein wichtiges Anliegen des Bauherrn. Zum Schutz vor Verkehrslärm wurde entlang der Bundesstraße B3 eine optisch attraktive Lärmschutzwand aus gefüllten Gabionen und bepflanzten sowie teilweise verklinkerten Abschnitten errichtet.

Auch der bei den Häusern verwendete Ziegel trägt durch seine Dämmstoff-Füllung und sein optimiertes Lochbild zum Schutz der Bewohner vor Lärmbelästigung bei. Dies gilt insbesondere für die reduzierte vertikale und horizontale Schallübertragung über die Außenwand bei den Doppelhäusern oder den aneinandergereihten Gebäuden einer Hausgruppe. Prüfungen der Hochschule für Technik (Stuttgart) ergaben, dass schon ab einer Stärke von 30 Zentimetern das Mauerwerk ein Schalldämmmaß Rw,-Bau,ref von 51,3 Dezibel erzielt. Damit werden die Anforderungen der DIN 4109 deutlich übertroffen. Eingesetzte Unipor-Deckenrandelemente „DeRa-Plus“ dienen zusätzlich der akustischen Schallentkopplung und minimieren zugleich die Gefahr der Entstehung von Wärmebrücken im Randbereich von Decke und Außenwand.

Zügige Mauerwerkserstellung

Die Errichtung der Wohnanlage erfolgte in drei zeitlich überlappenden Bauabschnitten. Probleme bereitete der lehmige Untergrund, sodass neben Bodenverdichtungsmaßnahmen für alle Gebäude eine Pfahlgründung erforderlich war. Angesichts der großen Anzahl zeitgleich zu errichtender Häuser wurde der Rohbau an drei Bauunternehmen vergeben. Die Wandbaustoffe wurden entsprechend den Zulassungsbestimmungen (Z-17.1-1114) und der DIN EN 1996 knirsch in einer deckelnden Mörtelschicht verlegt. Eine Stoßfugenvermörtelung war nicht erforderlich.
Die Mörtelzubereitung und sein Auftrag erfolgten qualitätssichernd und zeitsparend mit dem Mauertec-System. Dazu gehören standardmäßig – neben dem vom Ziegelwerk gelieferten Dünnbettmörtel Maxit 900 D – ein ebenfalls bereitgestelltes Rührgerät sowie Unimaxx-Mörtelschlitten.

Wegen des lehmigen Untergrunds waren in der ersten von drei Bauphasen Bodenverdichtungsmaßnahmen erforderlich. Anschließend begann der Bau der massiven Einzel-, Reihen- und Doppelhäuser in Bad Vilbel. Foto: Unipor

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