14.11.2019 | Ausgabe 5/2019 (#93)

Arbeiten im hybriden Büro

Einen sechsgeschossigen Tower in Holz- Hybridbauweise realisierte Brüninghoff für das IT-Unternehmen Shopware im westfälischen Schöppingen. Foto: Brüninghoff

Einen sechsgeschossigen Tower in Holz- Hybridbauweise realisierte Brüninghoff für das IT-Unternehmen Shopware im westfälischen Schöppingen. Foto: Brüninghoff

Licht, Holz und Offenheit –der sechsgeschossige Bürokubus des Softwareentwicklers Shopware im westfälischen Schöppingen bietet seinen Nutzern ein Arbeiten in komfortabler Umgebung. Nach Plänen des Coesfelder Architekturbüros Bock Neuhaus Partner realisiert Brüninghoff das „hybride Büro“.

Bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen reicht es heute längst nicht mehr aus, die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Die Ansprüche an die Arbeitsumgebung steigen stetig. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen zukunftsorientierte Wege gehen. So investierte auch der schnell wachsende Shopsystem-Hersteller Shopware in ein neues Gebäude am Firmenstandort im westfälischen Schöppingen. Der im Mai 2019 fertiggestellte Tower ergänzt einen angrenzenden Bestandsbau aus dem Jahr 2015 mit weiteren 150 Arbeitsplätzen und einer Kantine. Bei der Umsetzung des Bürogebäudes legten die Verantwortlichen besonderen Wert auf ein ansprechendes und komfortables Arbeitsumfeld mit viel Licht, Holz und Offenheit. Mit der Realisierung des neuen „hybriden Büros“ – nach Plänen des Coesfelder Architekturbüros Bock Neuhaus Partner –beauftragte Shopware Brüninghoff.

Die Büroflächen wurden bewusst offen konzipiert und fördern im Büroalltag die direkte Kommunikation zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Foto: Brüninghoff

Umplanung in Hybridbauweise

Doch was versteht man unter einem „hybriden Büro“? Es geht um das Zusammenspiel verschiedener Materialien für intelligente Bürolösungen. Der erste Kontakt mit dem Auftraggeber fand im Oktober 2017 statt. Die zu diesem Zeitpunkt existierende Planung beinhaltete jedoch noch eine herkömmliche Bauweise. Bei der Besichtigung eines vergleichbaren Objekts – dem H7 in Münster – war der Bauherr insbesondere von den sichtbaren Materialien und der klaren Tragstruktur des Gebäudes begeistert. Im Rahmen einer Präsentation konnte das neue Gebäude-Konzept schließlich überzeugen.

Das Tragwerk des Gebäudes besteht – neben Stahlbeton – zu einem großen Teil aus Holz. Foto: Brüninghoff
Das Sockelgeschoss sowie das aussteifende Treppenhaus sind in Stahlbeton ausgeführt.
Foto: Brüninghoff

Sechsgeschossiger Tower aus Holz und Beton

Wie beim H7 wurden auch beim Neubau für Shopware verschiedene Baustoffe miteinander kombiniert. Realisiert wurde das Bürogebäude als sechsgeschossiger Tower– mit einer Höhe von 24 Metern. „Das Bestandsgrundstück verfügt über sehr aufwändig gestaltete Freiflächen, die eine hohe Aufenthaltsqualität bieten. Um diese zu erhalten, entstand die Idee, in die Höhe zu bauen“, erklärt Architekt Meinhard Neuhaus vom Büro Bock Neuhaus Partner aus Coesfeld. Das Tragwerk des Gebäudes besteht – neben Stahlbeton– zu einem großen Teil aus Holz. Für die vertikalen Bauteile kamen Leimholzstützen sowie Brettsperrholzwände zum Einsatz. In den Bürobereichen der Obergeschosse bildet eine Verbundkonstruktion aus Holzbalken und Betonplatten die Geschossdecken. Die beiden Baustoffe wurden mittels Fertigteil-Verbindern und Vollgewindeschrauben im Werk zusammengefügt. Das Sockelgeschoss sowie das aussteifende Treppenhaus sind in Stahlbeton ausgeführt.

Mit vorgesetzten Lamellen aus Accoya-Holz lehnt sich die Fassade des Neubaus an die
Gestaltung des Bestandsbaus an. Foto: Brüninghoff

Kurze Bauzeit

Dank eines hohen Vorfertigungsgrads ließ sich eine sehr kurze Bauzeit erzielen. Die Außenwände wurden am Hauptsitz von Brüninghoff in Heiden vorgefertigt, auf die Baustelle transportiert und vor Ort montiert. Die einzelnen Wandelemente sind dabei bis zu 18 Meter lang. Beim Handling war daher eine mögliche Verformung zu beachten. Brüninghoff entwickelte hierzu eine spezielle Traversenkonstruktion, die eine Durchbiegung verhinderte und das Heben der langen Elemente zum Montageplatz erleichtert. Auch die Stahlbetonstützen, -unterzüge und Deckenelemente wurden als Fertigteile im Werk hergestellt, sodass vor Ort nur noch der Fugenverguss erfolgen musste.

Große, offene und lichtdurchflutete Bereiche laden zum Dialog ein. Foto: Brüninghoff

Offene Büroarbeitsplätze fördern Kommunikation

Seit einigen Jahren sind offene und flexible Arbeitskonzepte auf dem Vormarsch. Der Shopware-Neubau folgt diesem wachsenden Trend im Bürobau. Die Arbeitsplätze und Räume wurden bewusst offen konzipiert. Ein Konzept, welches im Arbeitsalltag die direkte Kommunikation zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fördert. Um wechselnden Anforderungen gerecht zu werden, lassen sich die Räume zudem schnell und flexibel umgestalten. Bei der Realisierung der offenen Arbeitsbereiche bot die hybride Tragwerkskonstruktion ein hohes Maß an Spielraum. Die Konstruktion mit sichtbaren Materialoberflächen bietet eine hohe Aufenthaltsqualität und die Verwendung von Holz sorgt für eine freundliche Atmosphäre. Darüber hinaus ist der natürliche Baustoff nachwachsend und speichert Kohlenstoffdioxid. Mit seinen Eigenschaften sorgt das Material für ein gutes Raumklima in den Büros und ermöglicht so ein konzentriertes und gesundes Arbeiten.

Das Raumprogramm des Büroneubaus umfasst unter anderem eine Kantine für die Belegschaft. Foto: Brüninghoff

Nicht brennbare Fassade aus Holz

Um viel natürliches Licht in das Gebäude zu bringen, erhielt der Neubau eine Glasfassade in Form einer Holz-Pfosten-Riegel-Konstruktion in den Obergeschossen sowie einer Aluminium-Pfosten-Riegel-Fassade im Erdgeschoss. In Anlehnung an die Gestaltung des Bestandbaus wurde die Glasfassade in Teilbereichen mit vorgesetzten Lamellen aus Accoya-Holz bestückt. Der Einsatz von Holz war aufgrund der Gebäudehöhe und -klasse eine besondere Herausforderung. So musste die Fassade zum Beispiel „nicht brennbar“ ausgeführt werden. In seinem natürlichen Zustand erfüllt Holz diese Anforderung jedoch nicht ohne weiteres. Um dieses Problem zu lösen, wurde das verwendete Holz im Vorfeld einer Kesseldruckimprägnierung unterzogen und damit nicht brennbar gemacht. Die Accoya-Lamellen sind auf diese Weise schwer entflammbar und in die Brandschutzklasse „B1“ eingestuft. Zusätzlich wurde eine Brandmeldeanlage zur Früherkennung installiert.


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