11.09.2019 | Ausgabe 4/2019 (#92)

Sonniges Design

Eine U-Bahn „von Strand zu Strand“ – die neuen Eingangsportale erhielten Sichtbetonwände mit besonderen Relief-Mustern. / Foto: Noe

Die Stationen einer U-Bahn-Linie zwischen Rotterdam und Schiedam wurden mit Sichtbetonportalen ausgestattet. Diese sind einerseits farbig gestaltet und weisen andererseits ein spezielles Relief auf. Eine gelungene Maßnahme, die die modernisierte Strecke nun noch attraktiver macht.

Das niederländische Hoek Van Holland ist ein Stadtbezirk von Rotterdam. Es erweckt beim Besucher jedoch eher den Eindruck eines Küstenstädtchens und Badeorts. Die Stadt Schiedam liegt ungefähr 30 km davon entfernt. Zwischen beiden verläuft eine U-Bahn- Linie, die kürzlich umfassend saniert wurde. In diesem Zusammenhang haben die Verantwortlichen die daran befindlichen Stationen einer großen Metamorphose unterzogen sowie neue Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten errichtet. Dank dieser Maßnahmen beginnt die Linie jetzt an einem Strand und endet an einem anderen. Um dem Bahnfahrenden diese Strandnähe immer zu vergegenwärtigen, hat sich der niederländische Architekt Marc Verheijen dazu entschieden, die Stationen dementsprechend zu gestalten: Alle sind jetzt mit Sichtbetonportalen ausgestattet, deren Oberfläche das Relief eines stilisierten Fischschwarms aufweist. Zudem wurde der Beton so eingefärbt, dass von Schiedam bis Hoek Van Holland unterschiedliche Farbabstufungen von Gelb bis Orange zu sehen sind. Dadurch soll  der Reisende den Eindruck erhalten, dem Abendrot entgegenzufahren.

Die einzelnen Stationen sind farblich unterschiedlich gestaltet: von Gelb bis
Orange, also – so die Gestalter – „dem Abend entgegen“. / Foto: Noe

Von der Skizze zum Modell
Das Motiv des Fischschwarms stammt aus der Feder des Rotterdamer Designers Erik Sandifort. Er vergleicht dabei die Fische mit den Reisenden, die auf dem Weg zu einem gemeinsamen Ziel sind. Um der Struktur eine gewisse Dynamik zu verleihen, abstrahierte er die Umrisse der Tiere bewusst. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, dieses Motiv im Beton zu verewigen, stießen die Verantwortlichen auf die Noe-Schaltechnik. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Süddeutschland und betreibt weltweit mehrere Tochtergesellschaften – so auch in den Niederlanden. Es bietet die Schalungsmatrizen unter dem Namen NOEplast an, die es ermöglichen, Ornamente und andere Motive im Beton zu verewigen oder eigene Ideen zu verwirklichen. Diese Chance nutzten die Verantwortlichen für den Bau der niederländischen Betonportale. Hierzu skalierten sie zunächst die Skizze des Rotterdamer Designers auf eine Größe von 4 x 7 m.  nschließend legten sie auf dem Bild die unterschiedlichen Tiefen des Reliefs fest. Nur durch die so entstehende Schattenwirkung ist eine derart plastische Abbildung möglich. Anschließend fertigen sie mithilfe einer CNC-Fräsmaschine ein 1:1-Modell. Es dient dazu, eine Gießform aus Polyurethan herzustellen, aus der dann die eigentlichen Matrizen gegossen werden.

Leichte Anwendung
Diese müssen anschließend nur noch sicher in der Schalung fixiert und gegebenenfalls mit Trennmittel behandelt werden. Danach kann schon mit dem Einfüllen des Betons begonnen werden. Hierbei hat die Erfahrung gezeigt, dass es sinnvoll ist, die Strukturmatrizen beim Einsatz auf der Baustelle in die Schalung zu kleben. Im Betonfertigteilwerk genügt es meist, sie in die Schalung zu legen. Sie können vom Hersteller aber auch ab Werk auf eine Schalung bzw. eine Trägerplatte montiert werden, die dann auf die eigentliche Schalung geschraubt wird. Dies bringt vor allem für die Arbeit auf Ortbetonbaustellen entscheidende Vorteile mit sich. 

Bei den Sichtbetonportalen bilden das Motiv und die Tiefenwirkung der Struktur nun zusammen mit den Farbnuancen ein harmonisches Ganzes. In absehbarer Zeit wird eine weitere U-Bahn-Station errichtet (Hoek Van Holland Haven). Auch sie soll ein Eingangsportal mit Fischstruktur erhalten.



 

 

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