11.09.2019 | Ausgabe 4/2019 (#92)

Mehr Moos

Für ein besseres Klima in den Städten entwickelt ein Startup aus Kaiserslautern wartungsfreie, immergrüne Moos-Fassaden.

Die Start-up-Gründer Martin Hamp, Björn Stichler und Dr. Tobias Graf wollen mit Hilfe von Moos-Fassaden zu besserem Stadtklima und zur Luftreinhaltung beitragen. / Foto: Koziel/TUK

Was in der Natur funktioniert, sollte auch technisch hergestellt klappen, dachte sich Graf. Und so war die Idee für ein Unternehmen geboren. Gemeinsam mit seinen beiden Kollegen, dem Informationselektroniker und Wirtschaftsinformatiker Björn Stichler sowie dem Bauingenieur Martin Hamp, hat er eine Fassade entwickelt, die wartungsfrei und selbstbegrünend ist. Ihre Technik haben sie BryoSYSTEM getauft. Der Name leitet sich von dem lateinischen Wort für Moose Bryophyta ab. Moos-freundliche Oberfläche Die kleinste Einheit besteht aus einem rund ein Meter hohen, 15 Zentimeter breiten Betonelement, das nur wenige Zentimeter tief ist. Es kann beispielsweise einfach an Wände von Gebäuden angebracht werden. Oben befindet sich eine Solarzelle. Aber auch eine andere Energieversorgung ist möglich. Am Boden gibt es einen Wassertank, in dem die Technik untergebracht ist. Er kann in den Boden eingelassen werden.

Damit Moose auf der Oberfläche wachsen, esitzen die Elemente besondere Strukturen, auf denen sich junge Moospflanzen optimal entwickeln können. „Ganz oben an den Elementen befindet sich eine halbrunde Aussparung, über die die Bewässerung stattfindet. Die eingefassten Rillen sorgen dafür, dass sich das Wasser gleichmäßig verteilt“, sagt Hamp über ihre Technik. Zum Einsatz kann dabei Regenwasser kommen, das in einer Zisterne gesammelt wird. Das Besondere: Die Fassadenelemente müssen nicht vorab bepflanzt werden. Die Gründer behandeln ihre Fassadenelemente mit einer speziellen Mischung vor, damit sich Moose schneller daran etablieren. Überall in der Luft befinden sich Sporen von Moosen. Diese können sich einfach ansiedeln und finden dabei für sie ideale Wachstumsbedingungen vor.

„Die Pflanzen sind an das vorherrschende Klima gewöhnt und müssen sich nicht anpassen, außerdem benötigen Moose keine weitere kostenintensive Pflege wie Pflanzenschutz oder Rückschnitt – was ein Nachtteil von bisheriger Fassadenbegrünung darstellt“, sagt Graf. Im Vergleich zu anderen Pflanzen, die bei Fassadenbegrünungen derzeit schon zum Einsatz kommen, sind Moose ganzjährig grün. „Bei kühleren Temperaturen fühlen sie sich am wohlsten“, fährt er fort. „Wenn es im Sommer zu heiß wird, fallen sie in eine Art Schlaf, eine Dormanz.“ 

Steuernde Sensoren
Das BryoSYSTEM besitzt zahlreiche Sensoren, die die Feuchtigkeit und andere Umweltparameter überwachen und die Daten an ein Messgerät schicken. „Dieses passt mithilfe eines Algorithmus die Pflanzenernährung je nach Wetterlage an“, so Stichler. „Außerdem sind solche Daten spannend für zukünftige Smart-City-Konzepte“, fährt er fort. „Wir wollen etwa herausfinden, wie viel CO2 und Feinstaub die Pflanzen fixieren. Mit diesen Zahlen könnten zum Beispiel Städte werben, die das System bei öffentlichen Gebäuden nutzen.“ Mit ihrer Technik helfen sie nicht nur, der Luftverschmutzung in Städten entgegenzuwirken, sondern erhöhen auch die Biodiversität. Außerdem können die Moose als Regenspeicher und Lärmschutz dienen. 

Langfristig planen die Gründer auch Mooswände in Tunneln und U-Bahnstationen. „Wenn sie mit einer künstlichen Lichtquelle bestrahlt werden, können sie auch dort leben und zum Beispiel helfen, die Luft von Schadstoffen zu reinigen“, erläutert Graf. Ihr System haben die Gründer zum Patent angemeldet. Sie sind momentan auf der Suche nach Partnern und ersten Kunden, um Pilotprojekte zu realisieren.  

Weitere Informationen gibt es online:
www.artificial-ecosystems.com


Anzeige

Fassade und Dach: Harmonie in Holz

Modern: Pflegeleichte Holzfassade aus Kebony

Dieses Haus erhielt eine 123 Quadratmeter große, vertikale Holzfassade aus Kebony Character mit sichtbaren Ästen. Auf alle Kebony Produkte gibt es 30 Jahre Garantie – eine gute Investition in die Immobilie.

Fassade und Dach: Harmonie in Holz

Die Holzfassade wird mit einer Fläche von 63 Quadratmetern über das Satteldach fortgeführt – eine klassische Dacheindeckung gibt es hier nicht. Vordach und Spritzbereich sind über einem minimalen Sockel reduziert ausgeführt und überzeugen durch eine feine Ästhetik.

Fassadengestaltung mit unterschiedlichen Dimensionen

Der gesamte Entwurf des Holzhauses setzt mit Kebony Character auf ein sehr wi­­­­­der­­­­stands­fähiges Fassadenmaterial, das einen bewusst ausgereizten konstruktiven Holzschutz zulässt. Verschiedene Lattenbreiten eröffneten flexible Spielräume für die ungewöhnliche Gebäudehülle.

Newsletter
Ja, ich möchte den Newsletter von greenBUILDING abonnieren