12.08.2019 | Ausgabe 3/2019 (#91)

Denkmalgerecht saniert

Beispiel deutscher Nachkriegsarchitektur: das Gebäude des Landtags von Baden-Württemberg in Stuttgart. / Foto: Deutsche Foamglas GmbH

Nach fünf Jahrzehnten der Gebäudenutzung war eine grundlegende Sanierung des Landtags in Stuttgart notwendig. Dabei erfolgte auch eine  Modernisierung des Flachdachs. Neben der Integration von Tageslichtöffnungenwurde die Dämmung verbessert.  Im Wesentlichen konnten dabei die vorhandenen Schaumglas-Lagen von Foamglas wieder genutzt werden – lediglich punktuell war ein Austausch notwendig. Um eine energetische Aufwertung u erzielen, wurde eine zusätzliche  Lage des Dämmstoffs eingesetzt.

Es stellt ein markantes Beispiel deutscher Nachkriegsarchitektur dar: das Gebäude des Landtags    von Baden-Württemberg in Stuttgart. Errichtet wurde es zwischen 1959 und 1961 von der Landesbauverwaltung. Das Baudenkmal zeichnet sich insbesondere durch seine klare, geradlinige Struktur mit großen Fensterflächen aus. Der dreigeschossige Bau wird durch ein Flachdach abgeschlossen. Das Erdgeschoss ist allseitig eingerückt – die oberen zwei Etagen erhalten dadurch eine schwebende Wirkung.

Das Erdgeschoss des Landtagsgebäudes ist allseitig eingerückt – die oberen zwei Etagen erhalten dadurch eine schwebende Wirkung. / Foto: Deutsche Foamglas GmbH

Reduzierung des Energieverbrauchs 
Um unter anderem den Energieverbrauch   zu reduzieren, wurde das Gebäude nach 50 Jahren Nutzung ab 2013 bis zum Frühjahr 2016 saniert. Zudem sollten die aktuellen Anforderungen des Brandschutzes, der Barrierefreiheit sowie der Raumakustik berücksichtigt werden. Das äußere Erscheinungsbild – insbesondere die klare, geradlinige Struktur der Fassadenflächen – galt es zu erhalten. Im Auswahlverfahren entschied sich die Staatliche Vermögens- und Hochbauverwaltung Baden-Württemberg für ein Konzept von Staab Architekten aus Berlin. Es verzichtet auf einen grundlegenden Eingriff in die Fassadenstruktur.  Dennoch waren Maßnahmen an Boden, Dach, Fassade und eine Erneuerung der Gebäudetechnik notwendig, um den Primärenergiebedarf um rund 40 Prozent zu reduzieren. So sorgt zum Beispiel in den Büro- und Besprechungsräumen eine innenliegende Verglasung für zusätzlichen Wärme- und Schallschutz.

Neugestaltung der Dachfläche  Staab Architekten integrierten kreisrunde Öffnungen für zwölf Lichtkegel und 36 Lichtzylinder in die Dachfläche.  Bündig eingefügt, erheben sie sich nicht über die Dachhaut und ordnen sich mit ihrer lockeren Verteilung harmonisch in das Gesamtbild ein. Direktes und diffuses natürliches Licht wird durch die Kunststoffröhren in den Plenarsaal geleitet. Hier ersetzt eine transluzente Tageslichtdecke aus satiniertem Kunststoff die bisherige geschlossene Holzlamellendecke. Bei Bedarf können LED-Leuchten innerhalb der Lichtdecke  zugeschaltet werden.

Bei der Sanierung des Landtagsgebäudes in Stuttgart wurden kreisrunde Öffnungen – zwölf Lichtkegel und 36 Zylinder – in die Dachfläche integriert. / Foto: Deutsche Foamglas GmbH

Wiedereinsatz vorhandener Dämmung  aus Foamglas
Auch nach 50 Jahren war die vorhandene  Foamglas-Dämmung in einem guten Zustand. Denn das Schaumglas behält seine positiven Eigenschaften dauerhaft bei. So sorgt der Dämmstoffunter anderem für eine konstante und  damit kalkulierbare Dämmleistung. Die besonderen bauphysikalischenEigenschaften erhält das Material unter  anderem durch die hermetisch geschlossene Zellstruktur. Sie sorgt dafür, dass Foamglas hoch druckfest, wasserund dampfdiffusionsdicht ist und keine Feuchtigkeit aufnimmt. Aufgrund der eingesetzten Rohstoffe bei der Herstellung – vorwiegend hochwertiges Recyclingglas – ist das Material nicht  rennbar (Brandschutzklasse A1). Es vereint weitere Vorteile wie Resistenz gegenüber Schädlingen, Chemikalien und radioaktiven Strahlungen aus dem Erdreich. Foamglas ist zudem frei von umweltschädigenden Flammschutzmitteln, Treibgasen, VOC oder anderen flüchtigen Substanzen.

Verbesserung des Dämmwerts Auf dem tragenden, geneigten Betonuntergrund befand sich eine rund 80 Millimeter starke Schaumglas-  Dämmlage aus dem Jahr 1961. Zunächst wurde hier die vorhandene Abdichtung entfernt und geprüft, welcher Anteil des vorhandenen Materials noch nutzbar war. Lediglich punktuell  musste ein Ersatz vorgenommen werden. Fugen und Stöße wurden wieder mit Heißbitumen abgedichtet. Rund 500 Quadratmeter der Betondecke oberhalb des Plenarsaals wurden rückgebaut, um die Lichtkuppelöffnungen zu erstellen – in diesem Bereich kamals Höhenausgleich zur Bestandsdämmung  80 Millimeter dickes Neumaterial zum Einsatz. In der Fläche war die bestehende alte Dämmlage jedoch in Ordnung – lediglich einige Fugen wurden ausgegossen.

Zudem wurde über die gesamte Dachfläche eine weitere Lage Foamglas  mit 140 Millimeter Dicke verlegt. Auf diese Weise erzielte man eine deutliche energetische Verbesserung. Zum Einsatz kam dabei Foamglas T4+. Der Dämmstoff weist einen Lambdawert von λD = 0,041 W / (m·K) auf. Die Platten mit kompakten Abmessungen von 60 mal 45 Zentimetern lassen sich leicht  erarbeiten. Insgesamt 3.000 Quadratmeter des nachhaltigen Dämmmaterials kamen bei der Sanierung des Landtags zum Einsatz. Dabei wurde die Fläche der umlaufenden Rinne als Gefälledämmung komplett erneuert.

Auf der Fläche gibt es rund 400 Durchdringungen für die aufgeständerte Unterkonstruktion der Verkleidung aus Aluminiumlochblechen. / Foto: Deutsche Foamglas GmbH

Zweilagige Abdichtung  Abschließend erfolgte eine zweilagige Abdichtung: Zunächst wurde eine Elastomerbitumen-Unterlagsbahn  in Heißbitumen aufgegossen. Als obere Schicht wurde eine Elastomerbitumen- Schweißbahn eingesetzt. Der Anschluss an die Attika mit ihrer umlaufenden Rinne erfolgte über eine Los-Festflanschkonstruktion. Statt eines klassischen Oberflächenschutzes durch Kies oder Begrünung wurde – dem Denkmalschutz folgend – eine Verkleidung aus dunkel eloxierten Aluminiumlochblechen gewählt. Letztere wurde aufgeständert. Daher gibt es auf der Fläche rund 400 Durchdringungen, bei deren Anschluss besonders auf die Abdichtung geachtet wurde. Die Lochbleche verbergen die Zu- und Abluftöffnungen und schließen auf einer Ebene  mit den neuen Oberlichtern des Plenarsaals ab. Auf diese Weise entsteht der Eindruck einer homogenen Dachfläche.

Das Projekt in Stuttgart verdeutlicht, wie eine Weiterverwendung dauerhafter  Dämmmaterialien erfolgen kann und so geringere Mengen neuer Materialien benötigt werden. Zudem zeigt es, dass Schaumglas auch nach 50 Jahren seine bewährten Produkteigenschaften behält und problemlos weiter genutzt werden kann.


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