12.08.2019 | Ausgabe 3/2019 (#91)

Solarthermie für Sonnenanbeter

Der bestehende Gasbrennwertkessel des Campingplatzes ließ sich problemlos mit einer Solarthermieanlage auf dem Dach des Hauptgebäudes erweitern. / Foto: Paradigma

Der FKK-Campingplatz in Niederkrüchten am Niederrhein hat seine Energieversorgung auf neue ökologische Beine gestellt. Eine 30 Quadratmeter große Solarthermieanlage liefert Warmwasser, unterstützt die Heizung und versorgt den Swimmingpool mit Wärmeenergie.

Es ist eine Oase für Freunde der Freikörperkultur: Der Campingplatz „Bund der Natur- und Sportfreunde Grenzland West e.V.“ befindet sich im Naturpark Schwalm-Nette an der Grenze zu den Niederlanden. Mit 80.000 Quadratmetern Fläche bietet er ganzjährig 126 Stellplätze für Wohnwagen und insgesamt Platz für 250 Gäste. Es gibt ein modernes Sport- und Sanitärgebäude, kalte und warme Duschen, behindertengerechte Einrichtungen, eine Spülküche, eine Waschmaschine und einen Wäschetrockner. Außerdem können Camping-Gäste den beheizten Swimmingpool nutzen.

Neue Lösung musste her
Die Warmwasserversorgung auf dem Campingplatz war in die Jahre gekommen und schon längst nicht mehr energie- und kosteneffizient. Zwei 500 Liter Trinkwasser fassende Warmwasserspeicher mussten durchgehend auf 60 Grad Celsius gehalten werden, um hygienische Probleme, wie Legionellen, auszuschließen. In gut besuchten Zeiten schien dies zweckmäßig. Wenn die Gästezahlen nachließen, insbesondere in der Zeit von November bis Februar, machte diese Vorgehensweise allerdings kaum Sinn – weder energetisch noch wirtschaftlich. Zwischenzeitliche Lösungen wie das Entleeren eines Speichers führten zu hydraulischen Problemen im Leitungssystem. Der Wasserdruck sank auf ein Minimum, wenn mehrere Duschen gleichzeitig benutzt wurden.

Wärmeenergie dank Kraft der Sonne 
Deshalb suchten die Betreiber des Campingplatzes nach Alternativen, das Waschhaus, die Heizung und auch den Pool, der bisher mit einfachen Absorbermatten erwärmt wurde, langfristig energie- und kosteneffizient zu versorgen. Zudem sollte die auf dem Campingplatz vorhandene 30-kW-Gasbrennwertheizung weiter betrieben werden. Solarthermie war die passende Lösung. Mithilfe der ökologischen und effizienten Solar-Technologie wird Sonnenergie in Wärme umgewandelt. Dabei kann die Kraft der Sonne sowohl zur Trinkwassererwärmung als auch zum Heizen verwendet werden. In den Sommermonaten lässt sich damit der Warmwasserbedarf zu bis zu 100 Prozent decken – völlig kostenfrei, umweltfreundlich und autark. Eine Solarthermieanlage kann mit vorhandenen Komponenten der Heizungsanlage kombiniert werden, was zusätzlich Kosten spart.

Dank des Durchlaufprinzips steht den 12 Waschbecken und acht Duschen des Campingplatzes permanent hygienisch sauberes Wasser zur Verfügung. / Foto: Paradigma

Optimale Solarausbeute 
Gesagt, getan. Auf dem Satteldach des Hauptgebäudes des Campingplatzes installierte der ausführende Betrieb eine Solarthermieanlage mit einer Kollektorfläche von 30 Quadratmetern. Sie besteht aus sechs CPC-Vakuum- Röhrenkollektoren des Typs AQUA PLASMA 19/50 des baden-württembergischen Herstellers Paradigma. Der jährliche Kollektorertrag beträgt 661 kWh pro Quadratmeter nach Solar Keymark. Das Solar Keymark gilt als Qualitätslabelfür solarthermische Produkte, insbesondere Sonnenkollektoren, auf  der Basis europäischer Normen. Grund für den hohen Ertrag ist die besondere Bauweise: CPC-Parabolspiegel lenken die Sonnenstrahlen stets im optimalen Winkel auf die doppelwandigen Röhrenkollektoren.  wischen der inneren undder äußeren Röhre besteht ein Vakuum,  das Wärmeverluste nach außen verhindert. So erreicht die Anlage bei gleicher Kollektorfläche deutlich höhere Erträge als herkömmliche Flachkollektoren und erzielt auch bei bewölktem Himmel und in der Übergangszeit ideale Solargewinne. Außerdem arbeitet der Kollektor mit reinem Heizungswasser anstelle des sonst üblichen Glykol-Gemischs. Die Vorteile dabei: Der wasserbasierte Kollektor kann einfach in das bestehende Heizungssystem integriert werden, ist deutlich wartungsärmer und umweltfreundlicher. Darüber hinaus ist für die Modernisierung kein zusätzlicher Solartauscher nö tig, da es statt Solar- und Heizkreislauf nur einen Heizkreislauf gibt – ein weiterer positiver Kostenfaktor. Nicht zuletzt ist die Solarthermieanlage erweiterbar, sollte sich der Campingplatz in Zukunft vergrößern wollen.

Alte mit neuer Technik kombiniert
Die vorhandene Gasbrennwertheizung mit der Solarthermieanlage zu kombinieren, machte für die Betreiber des Campingplatzes in vielerlei Hinsicht Sinn. Denn reicht die bereitgestellte Solarwärme einmal nicht aus, springt die Gasheizung zur Deckung des Bedarfs automatisch an und erwärmt das Wasser. Die Systemregelung übernimmt der Heizungsregler „SystaComfort II” von Paradigma. Ist solare Wärme im Überschuss vorhanden, dann beheizt diese den Pool. So kann das Schwimmbad früher und länger im Jahr genutzt werden, was den Campingplatz für die Gäste noch attraktiver macht. Außerdem gerät die Solaranlage somit nicht in eine schnelle Stagnation, was die Effizienz des Systems weiter steigert.

Der Solarertrag der Solarthermieanlage nach einem Jahr: 17.547 kWh kostenlose Sonnenenergie. / Foto: Paradigma

Moderne Wasserspeicher – hygienisch und sparsam
Die beiden alten Warmwasserspeicher wurden durch eine moderne Pufferspeicherkaskade ersetzt. Sie besteht aus zwei Aqua EXPRESSO-Speichern von Paradigma mit jeweils 800 Litern Fassungsvermögen, die mit wassergeführtenDurchlauferhitzern kombiniert wurden.  Das System liefert 80 Liter 48 Grad Celsius warmes, hygienisch sauberes Wasser pro Minute für die acht Duschen und 12 Waschbecken. Pufferspeicher mit kombinierter Frischwasserstation sind besonders hygienisch, weil das Wasser stets frisch gezapft wird – im Gegensatz zu einem Trinkwasserspeicher, bei dem das Wasser wohltemperiert auf Vorrat gelagert wird. Außerdem ist die neue Anlage energetisch sinnvoll, weil die eingebrachte und im Pufferspeicher bevorratete Energie die Wärme gleichzeitig für Trinkwasser und Heizung bereitstellt. Hinzu kommen die kompakten Abmessungen der Frischwasserspeicher sowie ihre Kompatibilität mit vorhandenen Heizungsanlagen, die dem Installateur Vorteile bei der Montage bescheren.

Ein Drittel weniger Energiekosten
Dank durchdachter Planung und Hand-in-Hand-Zusammenarbeit von Installateur und Hersteller dauerte die Bauphase des gesamten Modernisierungsprojekts nur vier Tage. Mit dem neuen System hat der Campingplatz eventuellen Hygiene-Problemen vorgebeugt, Wasserdruck-Probleme ausgeschlossen und die verlängerte Pool-Nutzungszeit ermöglicht. Dazu wurde eine satte Ersparnis erzielt: ein Drittel weniger Heizkosten nach bereits einem Jahr. In dieser Zeit sparte der Bund der Natur- und Sportfreunde Grenzland West 2.400 Euro Gaskosten, weil die Solarthermieanlage mehr als 17.000 kWh Solarwärme einfuhr. Und nicht zuletzt ist die Anlage ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.


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