28.11.2018 | Ausgabe 06/2018 (#88)

Eine heiße Sache

Den Bauherren war die Raumharmonie ebenso wichtig wie die Nachhaltigkeit der verwendeten Materialien. Quelle: Christian Schleupner

Modern und anspruchsvoll in historischem Bestand: Ein Altbau-Bad wird zur gelungenen Symbiose zwischen Alt  und Neu – und gleichzeitigzu einem Wohlfühl- empel, bei dem es  insbesondere die Dusche in sich hat.

Eine denkmalgeschützte Altbauvilla im Osten von Nürnberg sollte nicht nur nachhaltig und im Sinn seiner Geschichte saniert werden, sondern auch alle Vorteile modernen Designs und neuester Technik aufweisen. Bestes Beispiel für dieses gelungene Bauprojekt: das „Master-Bad“. Die Bauherren, eine junge Familie, hatten ganzklare Vorstellungen, wie ihr neues Bad aussehen sollte: Eine Dampfdusche sollte es sein, auch eine bequeme Badewanne, ein großzügiger Doppelwaschtisch und ein verstecktes WC. „Wichtig war ihnen, die Historie des denkmalgeschützten Hauses nicht zu verlieren, aber gleichzeitig die Balance zur Moderne zu finden. Eine zeitloseWohlfühlatmosphäre mit möglichst nachhaltigen Materialien“, erklärt Jürgen  faff, verantwortlicher Innenarchitekt. Der Geschäftsführer von Pfaff Interior & Designist bekannt für aufwendige Innenarchitektur und Möbelplanung.

Den Bestand erhalten, ohne Modern missen zu lassen
Das Bad wird bestimmt von Holz und mattem Weiß. Geradlinig, schnörkellos und doch ganz im Sinn des vorherrschenden Altbaucharms. Die Türen wurden saniert oder historisch ergänzt, ebenso wie die Fenster. Badewanne, Dampfdusche, Doppelwaschtischund genügend Stauraum, alles auf 13 qm untergebracht – eckige Formen, minimale Kontraste und edle Optik. Der weiche Grauton des ökologischen Mineralputzes, den das Bauherren-Paar sich wünschte, harmoniert perfekt mit den weißen Wand- und Möbelflächen. Lange 3-schichtige Eichenholzdielen,  speziell für den Nassbereich, vergrößernden Raum optisch. Direkt darunter: eine  Fußbodenheizung. Aufgrund der Durchgangshöhe der alten Türen sowie einer angeschlossenen Treppe konnte die Fußbodenheizungnur mit minimalem Aufbau  verlegt werden. Herausforderungen während der Renovierungsphase, die man nicht erahnt, wenn man den Raum heute betritt. Ein Raum, der bereits auf den ersten Blick beeindruckt. Die viel  zitierte „Perfektion bis  ins Detail“ darf man hier wörtlich nehmen – angefangen bei der Dampfdusche, dem technischen Highlight des Badezimmers.

Ein Unikat mit vielen Extras
In wenigen Minuten verwandelt sich  diese Dusche zur Dampfdusche, auf Knopfdruck. In der 1,40 m x 1 m x 2,25 m großen Spa-Oase finden sich LED-Lichtbänder, Musik, Sprühnebeldüsen, Aromadüfte, Regenbrause, Sitz- und Rückenheizung sowie eine KNX-gesteuerte Bedienung. Das alles ohne eine komplizierte Abluftanlage, lange Wartezeiten oder extra Kabinenlösung – alles ist in der „normalen“ Dusche integriert. Ein leistungsstarker Dampferzeuger mit 6 KW Leistung wurde dank kompakter Bauweise unter dem Sitz versteckt. Dieser ist, wie auch die Rückenfläche, beheizt. Ein Rücksprung bietet Platz für eine indirekte Beleuchtung. Die 300 x 300 mm große Regenbrause ist komplett ins Dach integriert, sodass nurnoch die Auslassnoppen der Deckenbrause sichtbar sind, kein riesiger, glänzender Körper der die Schlichtheit des Duschhimmels stört. Eine intuitive Bedieneinheit wurde in bequemer Sitzhöhe  nstalliert. „Die Bauherrin hat viele Ideen  mit eingebracht, die das Gesamtbild der Dampfdusche wie auch des Bads maßgeblich mitbestimmt haben. Von derindirekten Beleuchtung bis zur Schlichtheit in Material und Form“, erzählt Volker  agel anerkennend. Dampfauslass mit Duftmulde und Details zur Restwasserentleerung wurden frontseitig flächenbündig integriert. Das Dach, eine Nischenlösung mit umlaufender Schattenfuge – indirekt beleuchtet –, wurde an die Höhe der Heizkörpernische angepasst. Ein harmonisches Gesamtbild  von jedem Blickwinkel aus. Dazu trägt auch die 5 mm große Schattenfuge, die rechts zum Wandübergang der Heizkörpernische verläuft, bei. Duschwanne, Wände, Sitz und Dach sind aus absolut hygienischem, fugenlos verbundenem und pflegeleichtem Mineralwerkstoff. Optimale Eigenschaften für das integrierte Nischenregal mit unsichtbarem Ablauf. Dieses wurde um 200 mm nach unten vertieft, sodass Shampoo & Co. unsichtbar bleiben. Ein Detail, wie es selten zu finden ist. Der Aufwand war hoch, das Ergebnis ist extrem filigran. Eine Technik für Perfektionisten. „Maßanfertigungen mit solchen Details sind nur mit extrem hohem handwerklichem Aufwand möglich“, bestätigt Volker Nagel, Projektleiter und Geschäftsführer des Dampfduschen-Spezialisten baYou. Das Design sowie die Technik wurden von der fränkischen Manufaktur für Dampfduschen und W hirlwannen entwickelt und umgesetzt. Die Tür und Glaselemente sind 10 mm stark und wurden auf den Millimeter genau in die umlaufende Mineralwerkstoffeinfassung  eingepasst. Genau in der Flucht mit der seitlich verlaufenden Wand. Selbst die 2 cm starken Abschlussleisten der  uschwand entsprechen der Stärke der renovierten Sockelleisten. Die Tür ist fast einen Meter breit und mit einem hochwertigen Pendelbeschlag ausgestattet.

Bodenbündige Dusche im Altbau
Eine besondere Herausforderung stellte die barrierefreie Mineralwerkstoffdusch wanne dar. Probleme mit der Lastenverteilung, Abwasserrohren und quer verlaufenden Deckenbalken gehören  bei einem Altbaubad zum Standard.Aber Jürgen Pfaff und baYou fanden  Lösungen, um die Duschwanne bodengleich zu montieren. So wurde die Duschrinne asymmetrisch eingelassen, um mit dem Ablauf zwischenzwei Deckenbalken zu gelangen und so den Ablauf möglichst unsichtbar zu gestalten. Auch hier: jedes Detail maßgefertigt.

Ein weiteres Element aus Mineralwerkstoff ist die Badewanne von Agape. Wandbündig integriert und mit umlaufender Spiegelfront versehen. Das WC liegt versteckt hinter der Trockenbauwand. Diese fungiert einerseits als Raumtrenner und Installationsraum, andererseits als Rahmen für den vierflügeligen Spiegelschrank und das Waschtischmöbel.Ein weißer Doppelwaschtisch aus  Mineralwerkstoff von Agape, eingefasst von einer Maßanfertigung mit matten Fronten in Smooth-Braun und Tip-On-Öffnungsmechanismus.

Ein kleines, aber feines Detail: die elektrische Steuerung der Fensterläden sowie der Leuchten und der  Fußbodenheizung über einen intuitiven Bedienaufsatz. Umfangreiche Steuerungsmöglichkeiten sind dank NX-Verkabelung integriert. Vor  llem das automatische Öffnen und Schließen der elektrischen Fensterläden  ietet großen Komfort für die Bauherren. „Bei historischen Fensterläden ist das manuelle Öffnen und Schließen extrem umständlich. Abgesehen von den Accessoires, die aus den breiten Fensterbänken geräumt werden müssten, müssen jeweils die Innen- und dann die Außenfenster geöffnet und geschlossen werden. Bei einem anspruchsvollen, intelligenten Umbau wie diesem war  das keine Option“, erklärt Jürgen  faff. Eine KNX-Verkabelung während des Komplettumbaus bietet heute in jedem Zimmer höchstmöglichen Komfort.

www.bayou-bad.de
www.jpfaff.de


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