28.11.2018 | Ausgabe 06/2018 (#88)

„Holzhäuser helfen uns in der CO2-Frage“

Holz als Baumaterial der Zukunft – Interview mit Prof. Hermann Kaufmann

Innenansicht des Schmuttertal-Gymnasiums. Der Holzbau wurde u.a. von Hermann Kaufmann im Rahmen eines Forschungsvorhabens entworfen. Das Vorhaben wurde gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. / Quelle: Carolin Hirschfeld

Bauen mit Holz war lange in Vergessenheit geraten, heute liegt es wieder im Trend. Überall auf der Welt planen Architekturbüros derzeit Häuser, auch Hochhäuser, aus Holz. Herrmann Kaufmann ist Professor für Entwerfen und Holzbau an der Technischen Universität München (TUM). Im Interview erklärt er, warum Holzhäuser besonders klimafreundlich sind und wie man damit bezahlbaren Wohnraum schaffen kann.

Professor Kaufmann, woher kommt der Trend zum Bauen mit Holz?
Hermann Kaufmann: Angesichts des Klimawandels gewinnen nachwachsende Rohstoffe an Bedeutung und da ist Holz definitiv ein Hoffnungsträger. Denn Holzhäuser helfen uns in der CO2-Frage: Bäume entnehmen CO2 aus der Atmosphäre und binden es in Form von Kohlenstoff im Holz. Verbauen wir das Holz, schaffen wir Platz für neues Waldwachstum. Man muss sich vorstellen, dass wir uns mit Holzhäusern in gewisser Weise einen zweiten Wald, einen zusätzlichen Kohlenstoffspeicher, in unsere Dörfer und Städte stellen. Darüber hinaus ersetzt Holz aber auch Baustoffe, die mit fossiler Energie erzeugt werden. Und wenn ein Holzhaus schließlich am Ende seines Lebens angekommen ist, kann das Material entweder weiterverwertet werden oder zur CO2-neutralen Energieerzeugung beitragen.

Sie haben sich dem Holz bereits verschrieben, bevor nachhaltiges Bauen ein großes Thema in der Öffentlichkeit war. Was fasziniert Sie an diesem Material?
Hermann Kaufmann:
Holz ist ein natürliches und damit sinnliches Material. Es riecht gut, hat eine angenehme Haptik und ist dem Menschen schon von alters her vertraut. Holz gilt als Inbegriff von Gemütlichkeit und Wohlbefinden. Als Sohn einer Zimmererfamilie im Bregenzer Wald hatte ich schon immer einen besonderen Bezug zum Holz. In der Moderne verwendete man aber hauptsächlich Stahl, Beton und Glas, der Holzbau war in Vergessenheit geraten. Im Architekturstudium wurde mir dannklar: Ich will mithelfen, den Holzbau wiederzubeleben – und zwar durch gute Architektur.

Was heißt „gute Architektur“ im Holzbau?
Hermann Kaufmann: Die Verwendung eines nachwachsenden Rohstoffs entbindet Architektinnen und Architekten nicht von einer engagierten Gestaltung und die steht für mich im Vordergrund. Jeder Baustoff bestimmt durch seine eigenen konstruktiven Gesetzmäßigkeiten den Entwurf und gute  Holzarchitektur folgt den gestalterischen Regeln, die das Material vorgibt. Rückblickend kann ich sagen, dass vor allem architektonisch interessante Projekte dem Holzbau Aufmerksamkeit verschafft haben. Zum Beispiel das Gemeindezentrum, das ich vor circa 20 Jahren in Ludesch gebaut habe. Es besteht aus schadstoffarmen Materialien,hat einen sehr geringen Energiebedarf  – und ist eben auch architektonisch sehr gelungen. Das Gebäude wurde viel besucht und hat einige dazu animiert, auch mit Holz zu bauen.

Unterscheidet sich ein modernes Holzhaus von einem traditionellen im Bregenzer Wald?
Hermann Kaufmann: Ja und nein. Um Häuser im alpinen Raum beheizbar zu machen, wurden sie früher aus aufeinander geschichteten Balken konstruiert, also „gestrickt“ wie man bei uns sagt. An moderne Holzhäuser werden höhere energetische Ansprüche gestellt. Man verwendet deshalb oft dicke Wärmedämmungen. Diese bestehen aus vielen Schichten, die eine große Sorgfalt beim Bau erfordern und zudem eine Herausforderung für die umweltfreundliche Entsorgung, Weiterverwertung und Rückbaubarkeit darstellen. Aus diesen Gründen beobachte ich aktuell eine Rückbesinnung auf die alten Bauprinzipien. Wieder einfacher zu werden, ist die Devise.

Prof. Hermann Kaufmann/ Quelle: Martin M. Polt

Auch wenn es immer mehr Holzhäuser gibt, in der Breite ist das Bauen mit Holz noch nicht angekommen. Sind Holzhäuser ein Luxus für die, die es sich leisten können? 
Hermann Kaufmann: Man ist heute durchaus in der Lage, auch im sozialen Wohnungsbau mit Holz zu bauen. Durch Standardisierungen vereinfacht sich der Bauprozess zunehmend. Fertigt man Bauteile vor, das heißt, verlagert man den Bauprozess größtenteils in die Werkhalle, lässt es sich schneller bauen – und man erreicht eine sehr hohe Qualität. Außerdem benötigt man nur ein Drittel oder Viertel der Bauzeit im Vergleich zum herkömmlichen Bauen. 

Trotzdem sind Gebäude ausHolz noch die Ausnahme …
Auch wenn es immer mehr Holzhäuser gibt, in der Breite ist das Bauen mit Holz noch nicht angekommen. Sind Holzhäuser ein Luxus für die, die es sich leisten können? Hermann Kaufmann: Man ist heute durchaus in der Lage, auch im sozialen Wohnungsbau mit Holz zu bauen. Durch Standardisierungen vereinfacht sich der Bauprozess zunehmend. Fertigt man Bauteile vor, das heißt, verlagert man den Bauprozess größtenteils in die Werkhalle, lässt es sich schneller bauen – und man erreicht eine sehr hohe Qualität. Außerdem benötigt man nur ein Drittel oder Viertel der Bauzeit im Vergleich zum herkömmlichen Bauen.

Denken Sie, dass der Holzbau sich durchsetzen wird?
Hermann Kaufmann: Wir werden in Zukunft nicht an den nachwachsenden  Rohstoffen vorbeikommen, wenn wir klimaneutral bauen wollen. Deshalb sollten wir Bauentscheidungen auf der Basis vonseriösen Erkenntnissen über die Leistungsfähigkeit  des Materials treffen.


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