14.08.2018 | Ausgabe 04/2018 (#86)

Ein Surfer-Paradies

Das Sporthaus L&T in Osnabrück beschreitet ungewöhnliche Wege, um seine Attraktivität zu erhöhen. Das Architekturbüro Prof. Moths Architekten aus Hamburg plante den Neubau des Sporthauses rund um ein Wellenbecken für Surfer. / Foto: NATURinFORM

Die Welle rauscht, als Janina Zeitler aufs Brett steigt. Die amtierende Europameisterin im „Stationary Wave Riding“ ist erst 17 Jahre alt, aber in ihrer Heimatstadt München schon eine Berühmtheit. Eine der wenigen Frauen, die dort den wilden Eisbach surfen. Jetzt versucht sie die Hasewelle in Osnabrück. Das Brett gleitet, dreht sich hin und her. Das Wasser zischt und spritzt. Die Zuschauer auf der Tribüne werden nass. Es sieht aus, als könne Janina nicht genug bekommen von der neuen Welle.

„Hasewelle“ nennt sich die stehende Welle, die jedermann, der sich traut und ein Ticket löst, reiten kann. Weniger anstrengend und nass ist das Zusehen auf der Tribüne für 200 Besucher. / Foto: NATURinFORM

Indoor-Pool für Riversurfer
Das sogenannte Riversurfen ist viel schneller als das Surfen auf Meereswellen: Geritten wird auf einer einzigen Welle, die im Wasser steht. Das neue, 35 Millionen Euro teure Sporthaus von L&T liegt direkt in der Fußgängerzone der niedersächsischen Universitätsstadt, und erst im März wurde dort Deutschlands zweite Indoor-Surfwelle eröffnet.

„Wir sind fast ein halber Freizeitpark mit angeschlossenem Kaufhaus“, erklärt Geschäftsführer Mark Rauschen das Konzept des spektakulären Neubaus. „Bei uns wird der Sport ins Sporthaus geholt.“ Auf vier Etagen können die Kunden alle möglichen Trendsportarten selbst durchprobieren. Sportmode verkauft das „innovativste Sporthaus Europas“ sozusagen nebenbei.

Die Verkaufsetagen gruppieren sich rund um einen großen Lichthof. Von unten leuchtet es rivierablau. Dort im Untergeschoss ist der Pool mit der Welle für die Riversurfer untergebracht. Bei der Eröffnung bestaunten 80 000(!) Besucher das Wellenbecken.

Rutschfeste Lösung
Pooleinfassung und Tribüne fügen sich perfekt, sehr dezent und unauffällig in die gläsernen Architektur ein. Die fein gemaserten Dielen in dezentem Grau und Anthrazit zeigen sich völlig unbeeindruckt vom Spritzwasser und lassen Hunderte neugierige Besucher vollkommen trittfest am Pool entlangschlendern. Unbeeindruckt, denn dieser Belag ist zwar Natur, gleichzeitig aber technisch veredelt. Rutschfest auch noch im Regen – oder, wie hier, eben direkt neben einem Pool.

Die Firma NATURinFORM ist auf Lösungen für Outdoor-Beläge und -Profile spezialisiert. In ihrem Werk im bayrischen Redwitz an der Rodach werden sogenannte  Holzverbundstoffe hergestellt. Materialien, die die optischen Eigenschaften traditioneller Bauholzarten mit der Beständigkeit eines technischen Polymers verbinden. 

Für die Verlegung des Musterbands in Grau und Anthrazit, das sich in Dreiecksform vom Pool über die seitlichen Begehungsflächen und die Tribünen zieht, wurden die Dielen bereits im Werk exakt zugeschnitten. / Foto: NATURinFORM

Pool-taugliches Holz
„Wir wollten am Pool eigentlich auf Holz setzen, damit sich die Besucher dort richtig wohlfühlen“, sagt Bauleiter Lutz Brinkmann. „Aber wir hatten wegen der Nässe Bedenken.“ Die Surfer und die Zuschauer sollten dort am Wasser auf keinen Fall ausrutschen. Außerdem muss die Fläche trotz des ständigen Spritzwassers auch nach Jahren noch schön aussehen. 

„Zum Glück brachte uns das Architekturbüro Prof. Moths Architekten aus Hamburg auf NATURinFORM“, sagt Brinkmann. „Das sind Dielen, die in Optik und Haptik reinen Holzdielen ähneln, aber gleichzeitig eben pooltauglich sind.“ In einem Test von TÜV Rheinland (2011) haben die Dielen die höchste Rutschhemmungsstufe erreicht – R13 nach DIN 51130 und Klasse C nach DIN 51097. Bei der Herstellung werden die Holzfasern mit dem thermoplastischen Polymer so zusammengebracht, dass es sich wie ein Schutzmantel um jede einzelne Faser legt. Weil das Polymer selbst vollkommen wasserabweisend ist, kann so auch in die fertige Diele kein Wasser mehr eindringen – sie behält aber die  ptischen und thermischen Eigenschaften von Holz, das immerhin 70 Prozent des Materials ausmacht.

Für die Verlegung des Musterbands in Grau und Anthrazit, das sich in Dreiecksform vom Pool über die seitlichen Begehungsflächen und die Tribünen zieht, wurden die Dielen bereits im Werk exakt zugeschnitten. / Foto: NATURinFORM

Fühlt sich an wie Holz
Fällt Sonnenlicht durch das Glasdach in Osnabrück, dann wärmen sich die Dielen auf. Wellness für die nackten Surferfüße. Und wer genau hinsieht, bemerkt in den Sonnenstrahlen auch den feinen Glanz der Patina echten Holzes. 

Die Nachbarschaft von Wasser ist für Holz eine Herausforderung. Das Holz saugt sich mit Spritzwasser voll und quillt auf. Risse entstehen, Mikroorganismen setzen sich fest und schaffen noch mehr Angriffsflächen für Wasser. An trockenen Tagen dagegen können sich Barfußläufer leicht Splitter einziehen. Nicht so bei NATURinFORM-Dielen. Das Material kann weder reißen noch spreißeln. 

Durch seine wasserabweisenden Eigenschaften ist der Holzverbundstoff nicht nur besonders gut für feuchte Standorte geeignet, er ist auch leicht zu reinigen. Zum Saubermachen reicht es, die Planken mit Wasser abzuspritzen, stärkeren Schmutz kann man ohne Probleme mit einem Hochdruckreiniger entfernen. Denn das Polymer macht die Holzfasern auch viel widerstandsfähiger gegen mechanische Belastung als normales Holz.   


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