14.08.2018 | Ausgabe 04/2018 (#86)

Grün unterwegs

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

die Realisierung zeitgemäßer Architektur und die Planung zukunftsweisender Städtebaukonzepte sind ohne eine gesamtheitliche Betrachtungsweise inklusive aller Aspekte der Mobilität nicht denkbar. Das ist nicht neu: Bereits in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts träumten Planer von der „autogerechten Stadt“ und setzten ihre Visionen zum Teil brachial um. Mit den Folgen dieser einseitigen Fixierung auf das Automobil kämpfen wir noch heute, sowohl planerisch als auch psychologisch. Deutschland gilt als das Land der Autofahrer und plakative Lobbyisten-Slogans wie „freie Fahrt für freie Bürger“ haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Es geht auch anders, was ein Blick in die Radfahrer-Nation Holland oder in die Schweiz zeigt, wo die Bürger ihre Bahn lieben (und diese auch weit besser funktioniert als hierzulande).  

Trotzdem setzt seit einigen Jahren ein Umdenken ein, auch in Deutschland. Die Städte stöhnen unter den Folgen des automobilen Individualverkehrs und die jüngsten Abgas-Skandale tun ein Übriges dazu, alternative Fortbewegungsmöglichkeiten in den Fokus zu rücken. Ein weiterer Treiber der neuen Art der Mobilität, in der „nutzen“ wichtiger ist als „besitzen“, ist die Digitalisierung: Wer online und per App nahezu jederzeit auf Mobilitätsangebote zugreifen kann, sei es auf der Schiene oder per Car- und Bike- Sharing, ist eher bereit, diese umweltverträglichen Alternativen in seine persönliche Mobilitätsplanung zu integrieren. 

Das schafft neue Herausforderungen für die Planer: Städte und Gebäude müssen auf diese Entwicklungen reagieren – von der Ladeinfrastruktur bis zu Stellplatzangeboten für die Leihrad-Flotten, von integrierten Takt-Verkehren im ÖPNV bis zur Stromspeicherlösung  im Eigenheim: Die Schnittmenge zwischen gebauterUmwelt und moderner Mobilität wird immer größer. Aus diesem Grund widmen wir uns in dieser Ausgabe mit green- MOBILITY dem breiten Spektrum an Themen, die – nicht nur für Architekten und Ingenieure – für die Auseinandersetzung mit bewusster, ressourcenschonender und zeitgemäßer Mobilität relevant sind. 

Viel Spaß bei der Lektüre!

Harald Link

Chefredakteur


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