11.06.2018 | Ausgabe 03/2018 (#85)

Komfort und Transparenz im „Netz“

Quelle: Siemens

Die Ruhrgebietsmetropole Essen erfindet sich auch architektonisch immer wieder neu. Ein aktuelles Beispiel ist die neue Konzernzentrale des Logistikkonzerns DB Schenker: Wenige Schritte vom Essener Hauptbahnhof entfernt hat das Unternehmen im Frühjahr 2016 ein neues, achtstöckiges Bürogebäude bezogen, das auf insgesamt 30.000 Quadratmetern Nutzfläche Platz für 900 Mitarbeiter bietet.

„The Grid“ – „das Netz“ – hat DB Schenker das X-förmige, vollverglaste Gebäude genannt. Von hier aus organisiert das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG sein Logistik-Netzwerk mit weltweit 700.000 Kunden.

Eine integrierte Lösung für alle Gewerke

Für die neue Konzernzentrale wollte DB Schenker eine Gebäudetechnik aus einer Hand und entschied sich für ein Gebäudeautomationssystem, das von der Feldebene über die Raumautomation bis zur Management ebene alle Elemente der Gebäudeautomation in einer exakt aufeinander abgestimmten Gesamtlösung liefert. Nicht zuletz tkann die Lösung jederzeit an neue Anforderungen angepasst werden.

Die Aufgabe für die Techniker war schon von den Dimensionen herhöchst anspruchsvoll: Das System umfasst unter anderem 560 Raumautomationsregler, eine Beleuchtungssteuerung, eine Verschattungssteuerung mit 2000 Jalousien, ein Zutrittskontrollsystem mit 40 Siport-Lesern, eine Brandmeldeanlage mit 1500 Brandmeldern, eine Einbruchmeldeanlage mit 50 Elementen sowie Videoüberwachung.

Über die Gebäudemanagementplattform sind alle Systeme und Geräte im Hauptsitz von DB Schenker miteinander vernetzt. Von zwei Bedienbildschirmen aus lassen sich alle Gewerke zentral steuern, überwachen und optimieren. Dank der offenen Kommunikationsstandards können auch Komponenten von Drittanbietern integriert werden. Bei DB Schenker ist dies beispielsweise die Fluchttürsteuerung eines Spezialanbieters.

Aufwändige Visualisierung der Gebäudeautomation

Die integrierte Gebäudetechnik wurde aufwändig visualisiert. So kann das Bedienpersonal mit einem Blick auf den Bildschirm unter anderem den Status aller Systeme und Geräte oder das Alarmmanagement prüfen, und zwar in jedem der 431 Räume.

Die Sollwerte, wie etwa Ventilstellung, Raumtemperatur oder Beleuchtung, lassen sich für jedes einzelne Gerät und für alle Räume individuell verändern. Die jeweilige Steuerung ist direkt über die Grafik am Bildschirm möglich: Grundrisse werden angezeigt mit allen verbauten Feldgeräten im Raum oder auf der Etage. Somit sind auch gewerkeübergreifende Szenarien zentral steuerbar, zum Beispiel im Fall einer Veranstaltun gin einem bestimmten Raum oder eines Brands in einem Bereich. Zusätzlich sind gewerke übergreifende Zeitschaltgruppen möglich. Alarmierungen werden für alle Gewerke in einer Übersicht angezeigt. Berichte und Trends lassen sich anzeigen, nach Wunsch auch automatisiert: Die Erstellung von PDFs und die Zusendung per E-Mail erfolgt auf Basis individueller Vorgaben.

Der Zugriff aus der Zentrale ermöglichtes ebenfalls, im Bedarfsfall alle Brandmelder in einem Bereich für Wartungsarbeiten abzuschalten, ohne dafür Techniker vor Ort einsetzen zu müssen. Damit spart die Haustechnik von DB Schenker viel Zeit und Personalkosten.

Quelle: Siemens
Quelle: Siemens

Intelligente Gebäudeautomation holt LEED-Silver-Zertifizierung

Jeder Raum im Konzernsitz von DB Schenker ist mit integrierten Raumautomationsreglern ausgestattet. Heizung, Kühlung, Licht und Verschattung lassen sich damit energie effizient steuern. Insgesamt wurden 431 Stück einer Einzelraumregelung für Büros, Besprechungsräume und Open Space verbaut. Diese Raumautomationsregler verfügen über Sensoren; die Nutzer können Temperatur, Licht und Verschattung aber auch individuell über ein einziges Bedienfeld steuern. Es zeigt mit einem grün bzw. rotleuchten den Blatt („Green Leaf“) an, ob ihr Raumverhalten umweltfreundlich ist.

Die Raumbediengeräte auf Grundlage des offenen Kommunikationsstandards KNX sind frei programmierbar. So kann, als Beispiel, über das Bedienfeld in einem Konferenzraum das Szenario „Präsentation“ programmiert werden, womit zeitgleich die Lichtdimmung, Jalousienverschattung und Absenkung des Beamers erfolgen. Die integrierte Einzelraumregelung ist mit der Gesamtregelung vernetzt und kann somit auch zentral gesteuert werden.

Die Beleuchtungssteuerung setzt ebenfalls auf dem KNX-Standard auf. Mit ihr lassen sich die digitalen Beleuchtungsanlagen effizient und komfortabel steuern. Der Defekt eines Beleuchtungskörpers wird sofort identifiziert. Der beschleunigte Austausch sorgt für die Vermeidung wiederholter Beschwerden. Optionale Bewegungsmelder, mit denen sich autarke Beleuchtungsanlagen umsetzen lassen, wurden im „Grid“ nicht verbaut. Stattdessen ersetzt eine Anwesenheitstaste an den Raumbediengeräten die Bewegungsmelder. Umzusätzlich Energie zu sparen, regeln Sensoren auf dem Dach des Gebäudeswetter abhängig den optimalen Lichteinfall durch die Jalousien.

Im Bereich Heizung/Kälte/Lüftung sind rund 900 Datenpunkte installiert, deren Signale in sieben Informationsschwerpunkten (ISPs) zusammenlaufen.

Aufgrund der Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz hat das Gebäude eine LEED-Silver-Zertifizierung erreicht – DB Schenker nimmt seine Nachhaltigkeitsstrategie ernst.

Sicherheit auf allen Ebenen

Der Zugang ins „Grid“ erfolgt über ein Zutrittskontrollsystem. Verbaut wurden 40 Leser sowie 200 Türschlösser mit elektrischem Drehknauf (Offline zylinder). Auf Wunsch von DB Schenker leitet die Zutrittsanlage auch Stempelzeiten anein eigenes System weiter. Das elektrische Schließsystem sichert insgesamt rund 300 Türen.

Das Brandmeldesystem umfasst die EN 54-konforme Brandmeldezentrale sowie 1500 Brandmelder, 900 Alarmtongebe rund 40 Loops. Die Wahl fiel nicht zuletzt aufgrund der Größe des Gebäudes aufeine neue und leistungsfähige Brandmeldezentrale. Im Einsatz sind Multiprotokoll melder, die auf raumindividuelle Parameter eingestellt werden können. Damit lässt sich bei einem Wechsel der Raumnutzung, etwa wenn ein Umbau zu einem IT-Raum oder einer Kaffeeküche erfolgt, die Brandmeldeanlage anpassen– ohne Sensortausch.

Auch die Einbruchmelde anlage wurde nach VDS-Standards gebaut. Integriert wurden 50 Elemente wie Bewegungsmelder und Tür überwachungen. Ergänzt wird die Lösung durch eine Videoüberwachungsanlage mit Videomanagementplattform. 30 Kameras wurden zusammengeschaltet, davon 24 als virtuelle Zaunlösung um das Gebäude. Bei Verletzung des definierten Sicherheitsabstands erfolgt die automatische Aufnahme. Weil das Gebäude an öffentlichen Straßenraum grenzt, arbeitet die Videoanlage mit partieller Verpixelung.

Fazit

Früher musste DB Schenker das Gebäudemanagement an Spezialfirmen auslagern. Mit dem Gebäudeautomationssystem haben die Haustechniker alles auf dem Schirm: Heizung, Lüftung, Klima, Beleuchtung, Beschattung sowie Brandmeldetechnik und Gebäudesicherheit. Die Techniker arbeiten selbständig, können aber während des auf fünf Jahre abgeschlossenen Servicevertrags jederzeit Unterstützung anfordern. Techniker und Experten des Anbieters stehender Haustechnik von DB Schenker bei Bedarf auch über einen Remotezugriff zur Seite.


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