11.06.2018 | Ausgabe 03/2018 (#85)

Kuhwiese mit Hanghaus

Quelle: Thomas Geuder

Kärnten wird von einigen wunderbaren Tälern durchzogen, in denen es noch recht beschaulich zugeht und wo die Uhr langsamer zu ticken scheint. Da verwundert es nicht, dass das südlichste Bundesland Österreichs für viele das ideale Urlaubsparadies darstellt. Das trifft natürlich auch auf das Liesertal zu, das – unweit nördlich des Millstätter Sees gelegen, nach dem Wörthersee zweitgrößter See Kärntens – sogar eine historische Römerstraße und ehemaligen Bergbau für die Reisenden zu bieten hat. Doch auch dieser kleine Schönheitsfehler gehört zum Liesertal: Hier verläuft die bekannte Tauern autobahn, eine wichtige Verbindung in Nord-Süd-Richtung zwischen Salzburg am Alpenrand und dem Wörthersee sowie weiter südlich Slowenien und dem nordöstlichen Italien. Was den Straßenverkehr angeht, haben die Bewohner speziell um die beschauliche Gemeinde Trebesing dennoch Glück: Genau in ihrem Einzugsbereich wurde die Autobahn auf einer Länge von rund einem Kilometer komplett eingehaust, wodurch die Fahrzeug-Karawanen unsichtbar bleiben und somit viel von der ursprünglichen Qualität des Ortes erhalten ist.

Hanglage mit Rundumblick gestalterisch integriert 

Alpine Idylle, die mit dem Auto gut angebunden ist: Kein schlechter Ort, um sich hier ein Rückzugsrefugium vom geschäftigen Alltag zu schaffen. Das zumindest dachten sich zwei Architekten, die hier in Trebesing ein Hangwiesen grundstück erbten, etwas außerhalb des Ortskerns, dafür mit einer Hangneigung von 16 Grad. Das am Westhang gelegene Grundstück ist auch Heilquellenschutzgebiet und dient außerdem den Rindern eines benachbarten Bauernhofs als Nahrungsquelle. Und es bietet einen herrlichen Rundumblick in die Kärntner Bergwelt: zum Katschberg im Norden, zu den Karawanken im Süden und gegenüber zum Tschiernock, Teil der knapp 2.500 m hohen, weltbekannten Nockerberge. Die Idee, die die Morphlogic Architekten aus München für diesen Ort hatten dieser charakteristischen Umgebung folgerichtig. Ihnen ging es darum, den Eingriff in die Hangwiese so klein wie möglich zu halten und das neue Gebäude so weit wie möglichgestalterisch in diese landschaftliche Situation zu integrieren. Wichtigster erster Schritt dabei: Das Häuschen ordneten sie mit einem Abstand zum Gelände an, sodass es quasi über der Wiese schwebt und unter dem Haus das Gras weiterwachsen kann. Die Wiese wird weiterhin als Kuhweide genutzt, nur ein schmaler, ca. 50 m langer Weg führt vom PKW-Stellplatz an der Straße zum Eingangspodest des Hauses.

Die Außenhaut verschmilzt mit der Umgebung

Das kleine Haus mit einer Nutzfläche von knapp 70 m² ist als auf einem Stahlgerüst ruhender Holzbau konstruiert. Dessen Bodenkante folgt zunächst dem Hangverlauf, löst sich dann davon und streckt sich schließlich dem Tal entgegen. Verstärkt wird diese bauliche Geste noch durch die Grundrissform, die sich konisch zum Tal hin aufweitet. Die Außenhaut besteht aus einer unbehandelten Lärchenholzschalung, die allmählich eine silbergraue Patina erhält, wodurch das Haus in Zukunft weniger wie ein Haus erscheinen wird, sondern sich – so das Ziel der Architekten – wie ein eigenwillig geformter Stadl in die ländliche Umgebung einfügt. Der Holzbau besteht aus vorgefertigten Elementen (inklusive der Außenschalung), wodurch die Bauzeit vor Ort erheblich verkürzt werden konnte. Die Wände sind mit einer 28 cm dicken Zellulose dämmung versehen.

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8 Seiten

Quelle: Thomas Geuder
Quelle: Thomas Geuder

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