20.02.2018 | Ausgabe 01/2018 (#83)

Großzügiger Wellenschlag

4a Architekten errichten neues Freizeitbad in der Parklandschaft des Offenburger Bürgerparks

Bild: Uwe Ditz, Stuttgart

Mitten in der idyllischen Parklandschaft des Offenburger Bürgerparks befindet sich das neue Freizeitbad Stegermatt. Prägend für die Gestaltung des neuen Gebäudes war das ausgewogene Zusammenspiel von Architektur und Landschaft: Weitläufige Dachflächen, großzügige Glasfassaden und atmosphärische Raumvolumen verzahnen sich mit der natürlichen Umgebung und bilden einen spannungsvollen Kontrast zwischen gebauter Umwelt und Landschaftsraum.

Das neue Freizeitbad Stegermatt, ein kombiniertes Frei- und Hallenbad mit separatem Saunabereich, wurde anstelle bestehender Einrichtungen im Offenburger Bürgerpark geplant. Ein Freibad aus dem Jahr 1937 sowie ein Hallenbad befanden sich zuvor in unmittelbarer Nachbarschaft. 

Eine weiße Metallverkleidung und weiß lasierte Holzdeckenelemente in Kombination mit Glasfassaden und holzverkleideten Fassaden sorgen dafür, dass die teils expressiv gestalteten Volumen und Ebenen des Gebäudes zurückhaltend und leicht erscheinen.
Bild: Uwe Ditz, Stuttgart

Der Bürgerpark liegt nahe der Offenburger Innenstadt. Im Westen des weitläufigen Grundstücks gelegen, bildet das neue Freizeitbad eine Schnittstelle zwischen Stadt und Parklandschaft. So ist der zweigeschossige Eingangsbereich des Bads für Besucher, die zu Fuß über den Bürgerpark kommen, als Landmarke von Weitem sichtbar. Für die Einbettung des Gebäudes in die Landschaft sorgt der alte Baumbestand, der weitestgehend erhalten blieb. Im Süden wird das Grundstück von einer Bahnlinie begrenzt.

Architektonisch gliedert sich das Freizeitbad in drei Baukörper für die Bereiche Freizeit, Sport und Wellness. Diese lösen sich nach Osten hin auf und verzahnen sich über den Außenbereich behutsam mit der Parklandschaft. Der Eingang mit großzügigem Vorplatz und Parkflächen befindet sich im Nordwesten des neuen Gebäudekomplexes. Weit auskragende Dachflächen, die sich mit großzügiger Geste in entgegengesetzter Richtung aufschwingen, prägen das neue Freizeitbad von außen. Die straßenseitig gelegene Badehalle empfängt mit auskragendem Vordach die Besucher, die dahinter liegende Halle spiegelt diese Geste und öffnet sich in Richtung Schwarzwald. Über die transparent gestaltete zweigeschossige Eingangshalle gelangen die Besucher in die Badehallen sowie in den separaten Saunabereich und in den Sommermonaten in das Freibad. 

Der Freizeitbereich sorgt mit einem Mehrzweckbecken mit Strömungskanal und einem Kinderbereich für Familienbadespaß.
Bild: Uwe Ditz, Stuttgart

Der Badebereich umfasst drei unterschiedliche Zonen für Freizeitschwimmen, Sportschwimmen und für den Kursbetrieb. Der Freizeitbereich sorgt mit einem Mehrzweckbecken mit Strömungskanal, einem Kinderbereich und einer Reifenrutsche für Familienbade spaß. Im Sportbereich bieten ein 25-Meter-Schwimmbecken, ein Lehrschwimmbecken und ein Sprungbecken mit zwei Sprungtürmen (3 Meter und 5 Meter) viel Bewegungsraum für ambitionierte Wassersportler. Zwischen den Badehallen befindet sich der Kursbereich. Transparente Glaselemente als Trennwand gewährleisten einen ungestörten Parallelbetrieb der unterschiedlichen Bereiche, zugleich bleiben die Blickachsen erhalten. Das Kursbecken verfügt über einen Hubboden für unterschiedliche Wassertiefen und bietet eine hohe Flexibilität für verschiedene Kursangebote.

Der alte Baumbestand blieb weitestgehend erhalten und sorgt für die Einbettung des Gebäudes in die Landschaft.
Bild: Uwe Ditz, Stuttgart

Besonderer Blickfang in den zwei Badehallen ist eine geschwungene Holzlamellendecke, welche sich in sanfter Wellenbewegung zum Landschaftsraum hin anhebt. Diese Gestaltung unterstreicht die Einbindung der Badehallen in den Landschaftsraum und verleiht den Baukörpern einen eleganten und großzügigen Raumeindruck. Ein kompakter, zweigeschossiger Gebäudetrakt bildet das Rückgrat des Badebereichs mit Umkleiden und Sanitäreinrichtungen für den Schwimm- und Saunabetrieb. Im Obergeschoss sind neben der Verwaltung und den Personalräumen die Schülerumkleiden untergebracht.
Am Schnittpunkt der geneigten Dachflächen der zwei Badehallen, über dem Kursbereich, befindet sich eine Dachterrasse. Hier können die Badegäste in Ruhe den Landschaftsraum mit Blick auf den Schwarzwald genießen. Die Erschließung des Außenbereichs erfolgt über Windfänge aus den Badehallen, welche zum Badegarten hin ausgerichtet sind. Unmittelbar vor der Familienbadehalle liegt ein Plansch- und Spielbecken, in kurzer Distanz zur Sportbadehalle befindet sich ein 50-Meter-Schwimmbecken. Mit unterschiedlichen Wassertiefen (1,35 Meter und 2 Meter) ist es nicht nur für den Sportbetrieb geeignet, sondern ergänzt als Nichtschwimmerbecken mit breiter Wellenrutsche das Freibad-Angebot.

Dank großflächiger Glasfassaden, Sichtbeton, Holz, Stahl, dezent gestalteter Fliesen und einer reduzierten Farbigkeit wirkt der Innenraum angenehm ruhig.
Bild: Uwe Ditz, Stuttgart

Im Süden schließt ein eigenständiger Gebäuderiegel für den Saunabereich an den Gebäudekomplex an. Dieser öffnet sich nach Süden und Westen in Richtung Mühlbach. Das Saunaangebot umfasst neben Dampfbad, Saunakabinen und Soleinhalation einen Kaltwasserbereich mit Erlebnisduschen und Tauchbecken sowie einen separaten Ruhebereich. Ein weiteres Highlight ist die Außensauna im weitläufigen Saunagarten – das eigenständige Gebäude bietet den Saunagästen einen besonderen Rückzugsraum mit Ausblick in die schöne Parklandschaft.

Das Saunaangebot umfasst neben Dampfbad, Saunakabinen und Soleinhalation einen Kaltwasserbereich mit Erlebnisduschen und Tauchbecken sowie einen separaten Ruhebereich.
Bild: Uwe Ditz, Stuttgart

Ziel bei der Planung von Tragwerk und Gebäudekonstruktion war es, Wirtschaftlichkeit und Gestaltung in Einklang zu bringen. Keller, Erdgeschoss sowie Umkleide- und Saunatrakt wurden in Stahlbetonbauweise mit Stahlverbundstützen und Stahlbetonflachdecken errichtet. Soweit möglich sind die Deckenplatten unterzugfrei mit wirtschaftlichen Spannweiten errichtet, abgefangen durch Wandscheiben oder Stützen. Die Dachkonstruktion der Badehallen besteht aus einem gerichteten Stahltragwerk aus vorgefertigten Stahlträgern, die mit Schraubverbindungen vor Ort montiert wurden. Getragen wird das Dach von Stahlstützen entlang der Glasfassaden sowie von einzelnen Stahlrundstützen in den Badehallen. Die Anzahl der Stahlstützen hing von der jeweiligen Nutzung ab: Die großen Becken erforderten in der Sporthalle größere Stützweiten – nur drei baum­artig gestaltete Stahlstützen wurden im Raum positioniert. In der Freizeithalle hingegen sorgen deutlich mehr Stahlstützen für geringere Stützweiten – und damit für einen reduzierten Materialeinsatz bei der Deckenkonstruktion.

Hier wurden Wirtschaftlichkeit und Gestaltung in Einklang gebracht: Der Umkleidetrakt wurde in Stahlbetonbauweise mit Stahlverbundstützen und Stahlbetonflachdecken errichtet.
Bild: Uwe Ditz, Stuttgart

Großflächige Glasfassaden, Sichtbeton, Holz, Stahl, dezent gestaltete Fliesen und eine reduzierte Farbigkeit verleihen dem Innenraum eine angenehm ruhige Atmosphäre, die im Einklang mit dem umgebenden Landschaftsraum steht. Auch von außen lässt das Freizeitbad der Natur den Vortritt: Eine weiße Metallverkleidung, weiß lasierte Holz­deckenelemente, weiße Stützen und eine weiße Außenrutsche in Kombination mit Glasfassaden und holzverkleideten Fassaden sorgen dafür, dass die teils expressiv gestalteten Volumen und Ebenen zurückhaltend und leicht erscheinen. 

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