01.06.2015 | Ausgabe 06/2015

Editorial: Besser informieren

Harald Link

Harald Link

Liebe Leserinnen und Leser,

die Geschichte machte schon vor vielen Jahren die Runde. Ich weiß nicht, ob sie wahr ist. Dennoch: Sie ist zu gut, um sie nicht noch einmal zu erzählen –es ist die Geschichte des hoch gedämmten Hauses, dessen Verbrauchswerte in keiner Weise mit den Prognosen übereinstimmten. Weil die Bewohner eine Katzenklappe in die Haustüre bauten. Weil so etwas eben praktisch ist. Und weil sie einfach nicht verstanden hatten, worauf es bei diesem Gebäude ankam: auf die dichte Hülle.

Die Geschichte steht beispielhaft für vieles, was sich im Segment des energieeffizienten Bauens über Jahre hinweg abgespielt hat und bis heute oft noch abspielt. Experten diskutieren über Formeln und Kennwerte, über physikalische Größen, architektonische Konzepte und effizienztechnische Notwendigkeiten. Wenn die Planungen dann auf die Realität treffen, sprich, auf die Nutzer und ihren Alltag, dann gilt: Funktioniert alles? Werden die Zielwerte erreicht? Der Einfluss des Menschen als unberechenbare „Fehlerquelle“ im System wird oft dadurch minimiert, dass immer mehr Prozesse automatisiert werden. Sensoren messen, Software steuert, komplexe Anlagen regeln.

Ob das immer der richtige Weg ist, das wage ich zu bezweifeln. Viele Nutzer möchten heute begreifen, was da vor sich geht. Sie möchten informiert werden und im Zweifel möchten sie auch mit entscheiden. Daher ist es sehr zu begrüßen, dass bei ambitionierten Energiekonzepten mittlerweile die Nutzerinformation als wichtiger Baustein betrachtet wird. Displays, die über die aktuelle Stromerzeugung der Photovoltaikanlage informieren und über den momentanen Energieverbrauch, Informationssysteme, die auf verständliche Art erklären, was genau vor sich geht im für Laien nur schwer durchschaubaren Ver- und Entsorgungsmanagement eines Gebäudes, sieht man noch viel zu selten. Wir pflastern unsere Städte zu mit Werbedisplays und anderen visuellen Reizen – aber wo sind eigentlich die Monitore, die über den Verbrauch des Rathauses oder die Energieerzeugung auf dem Schulhausdach informieren? Gerade die öffentlichen Gebäude müssten noch viel stärker als bislang eine Vorreiterrolle übernehmen und informieren. Transparent und in Echtzeit, denn das weckt das Interesse und fördert das Verständnis.

Technisch haben die Experten viele Prozesse im Griff, die unsere Häuser energieeffizienter machen. Wir müssen jetzt stärker darauf achten, die Nutzer auf dem Weg, der noch vor uns liegt, nicht irgendwo zwischen Sensorik, Softwaresteuerung und Automation zu verlieren.

Harald Link
redaktion@greenbuilding-magazin.de


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