01.03.2015 | Ausgabe 03/2015

Editorial: Notwendige Debatte

Harald Link

Harald Link

Liebe Leserinnen und Leser,

Olympische Spiele 2024 oder 2028 in Berlin oder Hamburg? Während die einen allein bei der Vorstellung eines solchen Großereignissen glänzende Augen bekommen, stellen sich den anderen alle Nackenhaare auf. Die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern sind deutlich, Kompromisse scheinen kaum möglich. Aber warum eigentlich?

Die Geschichte der Olympischen Spiele, Fußballweltmeisterschaften oder auch Weltausstellungen ist gepflastert mit Beispielen für beide Extreme: Städte, die enorm von der Ausrichtung dieser Events profitierten und Städte, die anhaltend mit den baulichen Hinterlassenschaften und finanziellen Folgen kämpfen. Wenn man die notwendige Zusammenarbeit mit den beteiligten intransparenten und auf Profit bedachten Sport-Weltverbände ausklammert (was zugegebenermaßen sehr schwer fällt), dann haben derartige Veranstaltungen aus planerischer, baulicher und wirtschaftlicher Sicht natürlich ihren Reiz: Werden sie, was im 21. Jahrhundert in Mitteleuropa als nicht verhandelbar vorausgesetzt werden muss, nachhaltig geplant, dann können sie bestehende Infrastrukturen optimieren und ergänzen. Demgegenüber stehen Eingriffe in die Natur und enorme Kosten, zumeist Steuergelder, die auch für andere Dinge sinnvoll verwendet werden könnten. Die finanziellen Aspekte müssen, wie auch die soziale Verträglichkeit eines solchen Events, vor Ort mit den Mitteln der Demokratie ausgefochten werden. Dass sich mit Berlin und Hamburg ausgerechnet zwei Städte bewerben möchten, in denen die Bevölkerung mit enormem Gentrifizierungsdruck zu kämpfen hat, lässt anhaltend kontroverse Debatten erwarten.

Wie eine sinnvolle Konzeption derartiger Großveranstaltungen aussehen kann, das zeigen die Planungen für die Weltausstellungen in Mailand und Astana, die wir in dieser Ausgabe von greenbuilding vorstellen. Auch sie werden allerdings erst in einigen Jahren unter Beweis stellen können, ob die Ideen der Planer dauerhaft funktionieren. Gleichzeitig veranschaulichen sie, wie sich die Planungskultur Schritt für Schritt verändert: Natürlich entstehen auch dort echte „Hingucker“ – Wahrzeichen für eine Stadt oder eine ganze Region. Ihre eigentliche Qualität machen jedoch die energetische, die nachhaltige und die verantwortungsvolle Konzeption aus. Darin besteht ihr Wert für die Gesellschaft. Und an diesen Kriterien müssen sich auch die Konzepte für sportliche Großereignisse weltweit messen lassen. Die Debatte darüber läuft auf Hochtouren quer durch alle gesellschaftlichen Interessensgruppen. Und das ist gut so.

Harald Link
redaktion@greenbuilding-magazin.de


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