01.12.2014 | Ausgabe 12/2014

Editorial: Neue Szenarien

Harald Link

Liebe Leserinnen und Leser,

im Herbst dreht der Hausmeister im Keller die Heizung hoch – in den Büros wird es angenehm warm. Schließlich ist laut Kalender bald Winter. Dann und wann wird ein Fenster gekippt, um „frische Luft“ hereinzulassen. Irgendwann findet jeder seinen individuellen Rhythmus von Fenster auf und Fenster zu und Heizung auf und Heizung zu, um sich das Raumklima halbwegs behaglich zu gestalten.

Dieses Szenario ist noch gar nicht so alt, genauso wenig wie das der auf Einheitstemperatur durchklimatisierten Großraumbüros. Das Bewusstsein, dass Energie ein rares und wertvolles Gut ist und beispielsweise warme Raumluft nicht einfach durch das dauergekippte Fenster entschwinden sollte, ist erst seit vergleichsweise wenigen Jahren vorhanden. Der ökologische und ökonomische Irrsinn war teils der Unwissenheit geschuldet, teils der Ignoranz. Die Zeche bezahlen wir heute – und künftige Generationen werden den damals sorglosen Umgang mit den vorhandenen Energiequellen noch viel drastischer spüren: Der Klimawandel und immer knapper werdende Ressourcen verändern die Welt, in der wir leben.

Mittlerweile ist die TGA-Planung zum zentralen und oft das gesamte architektonische Konzept bestimmenden Bestandteil vieler Neubauplanungen geworden. Im Büro- und Gewerbebau steigt die Nachfrage nach Immobilien, die auf ein verantwortungsvoll geplantes, nachhaltiges Energiekonzept setzen. Die haustechnischen Systeme werden immer komplexer und vernetzter– eine Reaktion auf die sich weiter entwickelnden Technologien und Nutzeranforderungen. Im Büro der 70er Jahre sorgte eben noch die Heizung für die warme Luft – und nicht Computer, Monitore, Drucker, Server und sonstige Technik, ohne die heute niemand mehr auskommt. Für viele Unternehmen gehört es zu ihrem Selbstverständnis, ökologischen Aspekten eine angemessene Bedeutung einzuräumen. Das zeigt sich auch in der Art und Weise, wie Immobilien geplant, gebaut, betrieben und genutzt werden. Es wäre wünschenswert, wenn sich dieses Bewusstsein in der Corporate Social Responsibility vieler Unternehmen, Institutionen und Organisationen verankert.

Nicht nur beim Neubau, sondern auch im Bestand. Denn dort schlummert nach wie vor das größte Potenzial für energetische Optimierungen.

Harald Link

redaktion@greenbuilding-magazin.de


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