01.07.2013 | Ausgabe 7-8/2013

Effizientes Bauen mit Holz im urbanen Raum

Europäischer Kongress in Köln

Foto: Ricarda Schelter, Landesbeirat Holz NRW e. V.

Effizientes Bauen mit Holz im urbanen Raum

Foto: Ricarda Schelter, Landesbeirat Holz NRW e. V.

In Köln fand am 6. und 7. Juni 2013 der 6. Europäische Kongress „Effizientes Bauen mit Holz im urbanen Raum“ (EBH) statt. Architekten, Planer, Zimmerer, Bauingenieure und Hochschullehrer diskutierten aktuelle Entwicklungen sowie Chancen und Herausforderungen des Holzbaus.

Die Referenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gaben den rund 300 Teilnehmern unter anderem Einblicke in die Bereiche kommunaler, mehrgeschossiger Wohnungsbau, mehrgenerationales Bauen, modulares Bauen mit hohen Vorfertigungsgraden, energetische Sanierungen sowie hybride Bausysteme. Unter den Parametern Kosten-, Material- und Energieeffizienz wurden Konzepte für den Wohn- und Gewerbeholzbau im verdichteten Raum vorgestellt. Die Einführung auf Metaebene erfolgte durch den ehemaligen Generalsekretär des Club of Rome, Uwe Möller. Er gab der Konferenz ein Szenario von der Welt im Jahr 2052 mit auf den Weg. Auf der Erde leben dann etwa neun Milliarden Menschen, davon 75 % in Agglomerationen, um die man sich architektonisch hochwertig, umwelt- und klimafreundlich zu kümmern habe. Professor Arno Frühwald von der Universität Hamburg zeigte die CO2-Speicherkapazitäten von Forstwirtschaft und Holzprodukten am Beispiel der Kaskadennutzungen in Nordrhein-Westfalen auf. Er belegte die Forderungen der Holzwirtschaft nach Anrechnung der CO2-Speicherung als klimarelevante Faktoren im Bauwesen, wobei die zusätzliche Nutzung von Holzprodukten mehr leistet als die reine Waldbestandspflege. Deshalb gelte es verstärkt auf langlebige Produkte aus Holz zu setzen.

 

Holzbau und Wohnungswirtschaft

Im weiteren Teil des Kongresses referierte Hans-Otto Kraus von der GWG städtische Wohnungswirtschaft aus München über die Erfahrungen mit kommunalen Holzbauprojekten. Er betonte, dass obschon die Kosten im Holzbau häufig höher lägen als im Ziegel- oder Betonbau, die kürzeren Bauzeiten und sofortigen Bezüge der trocken fertiggestellten Objekte diesen Faktor mehr als kompensierten. Jürg Altwegg von der Schweizer Gesewo stellte hybride Bausysteme mit vorgefertigten Elementen im „Minergie-P-Eco“-Standard in Mehrgenerationenhäusern vor, die von vornherein barrierefrei errichtet würden. Henning Klattenhoff von assmann beraten + planen aus Hamburg zeigte die elementare Bedeutung der Tragwerksplanung im urbanen Holzbau auf, insbesondere bei sichtoffenen Oberflächen, der Dichtigkeit sowie im Brand- und Schallschutz. Am Beispiel des dreigeschossigen Verwaltungsneubaus des Forums Eggerwerk in Brilon, bei dem stattliche 920 m³ an Holz verbaut wurden, stellte Bruno Moser von der architektur-Werkstatt die Möglichkeiten des modularen Holzbaus heraus. Sämtliche Wand-, Decken- und Bodenelemente entspringen einem vordefinierten Grundraster mit dem Maximalformat 2,80 m x 11,50 m, wobei die einzelnen Elemente bereits komplett vorgefertigt über sämtliche Oberflächen und Installationseinheiten verfügen.

 

Gebäudehüllen und hybride Konstruktionen

Bei den Gebäudehüllen sieht die Branche industriell vorgefertigte Fassadenlösungen auf dem Vormarsch. Dr. Heinz Pape von Bauart Konstruktion stellte die Fotogrammetrie und das 3-D-Laserscannen vor, bei denen Fassadenelemente aus Holz wie ein Abguss vorgefertigt und auf Bestandsfassaden aufgebracht werden, und wies auf die exakte, werkseitige Ausführung hin. Marcus Fischer von Rubner Haus maß den Holzfassaden gar einen ökologischen Kommunikationsfaktor bei, der Klimabewusstsein zeige. Zudem schreite die Fassadenentwicklung fort, von einem tragenden hin zu einem ästhetischen Element, das thermische, akustische und visuelle Behaglichkeit transportiere. Die hohe Leistungsfähigkeit von hybriden Mischbauweisen aus Holz, Beton und Stahl wurde von mehreren Seiten beleuchtet. David Volk von Pirmin Jung Ingenieure für Holzbau und Peter Gröber von Holzbau Gröber aus Eberhardzell zeigten auf, welche Bandbreite an Möglichkeiten es zur Herstellung von Holz-Beton-Verbundelementen gibt. Der Kollege Konrad Merz von Merz Kley Partner aus Vorarlberg setzt diese Bauweise bevorzugt dort ein, wo es große Deckenspannweiten von mehr als 5 m zu überbrücken gilt.

 

Energieeffizienz, Erneuerbare Energien und Brandschutz

Die energetische Gebäudeversorgung war ein weiteres, intensiv diskutiertes Thema. Gerd Schallenmüller von Resys aus Freiburg stellte das ‚Sonnenenergiehaus‘ vor, dessen Nutzungskonzept mit erneuerbarer Wärme und Solarstrom sowohl Neu- als auch Bestandsbauten umfasst. Einen großen Solar-Eisspeicher mit Sole-Wasser-Wärmepumpe zum Kühlen und Heizen eines 4-geschossigen Wohnkomplexes mit 112 Wohnungen stellte Ralf Mnich von PBS & Partner aus Haan vor. Die Energieagentur NRW ging in Person von Sven Kersten noch einen Schritt weiter, der autarke Gebäudeheizungen präsentierte, die mittels Kraft-Wärme-Kopplung Strom und zugleich Heizenergie und Warmwasser bereitstellen. Des Weiteren wurde der Brandschutz im städtischen Umfeld thematisiert, insbesondere bei Holzmischbauten sowie Objekten mit hölzernen Fassaden. Professor Dr. Björn Kampmeier von der Hochschule Magdeburg-Stendal sprach über ein bemerkenswertes Beispiel eines 5-Geschossers in Holzständerbauweise mit einer Dämmung aus CO2-speichernden Strohballen. Um dem Brandschutz des 13 m hohen Mischbaus, welcher auf einem mineralischen Sockel ruht, Rechnung zu tragen, wurden die tragenden Außenwände innen mit einer knapp 3 cm dicken 3-Schichtplatte verkleidet, auf die eine etwa 6 cm dicke Lehmputzschicht folgt. Außenseitig brachte man auf die Wände direkt einen ca. 6 cm mächtigen Kalkputz auf.

 

Bauen für die Kinder

Final standen die Gütesicherung und das Monitoring im Blickfeld. Belastbare Informationen, definierte Prozesse und bewährte Qualitätssicherungen sind die Grundpfeiler einer langfristigen und sicheren Entwicklung im Holzbau. Den passenden Zukunfts-Epilog moderierte Professor Uwe Germerott von der Berner Fachhochschule zum Thema Bauen für Kinder. Verschiedene Beispiele präsentierten Schul- und Kitaholzbauten, die vom Nachwuchs begeistert aufgenommen wurden und dabei sowohl (innen-)architektonisch als auch atmosphärisch überzeugten. Dr. Ilse Wehrmann von Wehrmann Education Consulting und Thomas Laß-Adelmann vom gleichnamigen Architekturbüro trugen ihre Erkenntnisse und Lösungen mit den Schwerpunkten Raum und Ausstattung sowie Spielen und Lernen in Holzbauten vor, mit der die kommenden Generationen gesund heranwachsen können und sollen.

Rubrik: Thema


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