01.06.2013 | Ausgabe 6/2013

Deutschland ringt mit den Sanierungskosten

Wirtschaftlichkeit, Qualität und multifunktionale Nutzbarkeit kommunaler Sportinfrastruktur

1 Fußballakademie Klagenfurt, Innenansicht der Erschließung:<br />Hochwertige Keramik Beläge, Aluminium, Kautschuk und Eichenholz prägen die Gestaltung der Innenräume und verleihen Eleganz.

1 Fußballakademie Klagenfurt, Innenansicht der Erschließung:
Hochwertige Keramik Beläge, Aluminium, Kautschuk und Eichenholz prägen die Gestaltung der Innenräume und verleihen Eleganz.

Aktuelle Studienergebnisse belegen, dass kommunale Sportgebäude und -anlagen die Basis für den jährlichen Sportkonsum der deutschen Bevölkerung in Höhe von gut 120 Mrd. Euro bilden. Daraus resultiert eine neue Wertigkeit kommunaler Sportstätten, die jedoch attraktiver werden müssen, um heutigen Nutzungsanforderungen zu genügen. Es geht also nicht nur um die Dichte kommunaler Sportinfrastruktur, sondern vielmehr um deren Qualität, multifunktionale Nutzbarkeit und Energieeffizienz. Der Wiener Sportarchitekt Harald Fux schildert seine Sanierungserfahrungen solcher Gebäude in Österreich, die eben diese Anforderungen erfüllen.

Aufgrund der Umsetzung des 1961 von der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) vorgelegten „Goldenen Plans“ und der Sport-Planung für die neuen Bundesländer durch den „Goldenen Plan Ost“ 1993 entstanden in Deutschland rund 231.000 Sportgebäude und -anlagen und ca. 370.000 Kilometer Sportstätten in Wegeform (2Hm & Associates, Mainz 2012). Mittlerweile ringen die Kommunen mit den Folgen dieses Bau-Booms, denn rund 40 Prozent der Bauten und Anlagen im Westen und ca. 70 Prozent der Sportanlagen im Osten müssen saniert werden. Mit 74 Prozent tragen die Kommunen den Löwenanteil der Kosten für Bau, Betrieb und Sanierung. Jährlich fließen dafür Aufwendungen von 22,6 Mrd. Euro, Sanierungskosten nicht inbegriffen. Davon werden 60 Prozent für die rund 109.000 Kernsportstätten (Schwimmbäder, Sporthallen, Sportplätze) aufgewendet. Betrachtet man die Kosten in Relation mit der Gebäudeanzahl der aktuell rund 240 Stadien, sind letztere die teuersten Anlagen. Für Kernsportstätten lassen sich Investoren/ Kooperationspartner bisher noch schwerer begeistern.

Studie liefert neue Datengrundlage

Der Sanierungsstau zieht sich bereits über ein gutes Jahrzehnt, und mittlerweile wird die dafür notwendige Investitionssumme auf bis zu 42 Mrd. Euro geschätzt (DOSB). Der „Goldene Plan“ gilt als Planungsrichtlinie nicht mehr für geeignet, so dass aktuell ein Sportsatellitenkonto erstellt wird, das diese Funktion übernehmen soll. Die im Herbst 2012 vorgelegte Studie über „Die wirtschaftliche Bedeutung des Sportstättenbaus und ihr Anteil an einem zukünftigen Sportsatellitenkonto Deutschland“ im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi), durchführt von der Strategieberatung 2Hm & Associates aus Mainz, liefert die notwendigen Daten und kommt u. a. zu dem Ergebnis, dass kommunale Sportbauten und -anlagen die Basis für den jährlichen Sportkonsum der Deutschen bilden. Allerdings, betont 2Hm Geschäftsführer Frank Meyrahn, haben die Kommunen selbst kaum etwas davon. Frank Meyrahn: „Ich vertrete die Auffassung, dass die Politik sich stärker zum Wirtschaftsfaktor Sport bekennen muss. Im Wesentlichen aus einer rein betriebs- bzw. volkwirtschaftlichen Argumentation heraus: Sport als Querschnittmaterie ist ein bedeutsamer Motor für privaten Konsum. Daneben lösen Sportstätten erhebliche wirtschaftliche Folgeaktivitäten aus (privater Sportkonsum: 83,4 bis 112,6 Mrd. Euro; Sportsponsoring, Sportwerbung und Medienrechte: 5,5 Mrd. Euro; Investitionen in Sportstätten und deren Betrieb: 22,6 Mrd. Euro). Damit der Sanierungstau gestemmt werden kann, gilt es genauestens abzustimmen, was in welchem Zeitraum saniert, neugebaut oder ggf. rückgebaut oder umgewidmet werden muss. In vielen Fällen halte ich eine höhere Erfolgsbeteiligung der Kommune bspw. bei Betreiber-, Bürgschaftsverträgen oder PPPProjekten, für sinnvoll, denn wenn es gut läuft profitieren private Betreiber oder Vereine überdurchschnittlich bzw. ohne Limit; wenn es schlecht läuft, haftet die Kommune. Prominente Beispiele hierfür sind das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern und das Mannheimer Carl-Benz-Stadion.“ Nach Meyrahns Meinung leisten solche Sportangebote auch heute noch einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität, übernehmen wichtige Ausbildungsaufgaben und fördern demokratische und integrative Prozesse in der Gesellschaft. „Kinder schickt man in der Regel nicht zweimal die Woche ins Erlebnisbad, auch wenn man das Geld dafür hätte, wohl hingegen ins städtische Schwimmbad oder zur Leichtathletik“.
Download der Studie „Wirtschaftliche Bedeutung des Sportstättenbaus und ihr zukünftiger Anteil an einem Sportsatellitenkonto“ 2012: www.2hm.eu/documents/2012-Abschlussbericht-Sportstaettenbau-und-betrieb-2hm-02.pdf.

Sportstätten vom Image der gestaltungsfreien Zone befreien

Projekterfahrungen des Sportarchitekten Harald Fux Die Sanierungsprobleme in Österreich ähneln denen in Deutschland, sagt Harald Fux. Auch dort muss für kommunale Sportstätten um alle Mittel gekämpft werden, vor allem um Mittel, die in deren Gestaltung fließen. Die energetische und haustechnische Sanierung solcher Gebäude sei in Österreich inzwischen akzeptiert und solare-, solarthermische Energie- und Warmwasserproduktion und Fernwärmenutzung sind nach den Erfahrungen des Wiener Architekten gang und gäbe. Jedoch sei es immer noch schwierig, den Verantwortlichen zu vermitteln, dass die Attraktivität solcher Gebäude sehr viel höher werden muss, damit die Nutzer gerne kommen. Harald Fux macht dabei vor allem auf die Bedeutung von Nebenräumen aufmerksam, die ansprechend sein sollten und nachhaltig im Energieverbrauch. Auch das zählt, sagt der Wiener, nicht nur der Verbrauch der Sport- oder Schwimmhalle. 2004 bis 2008 war er als Experte für die Erstellung der Generalübernehmerausschreibung und der begleitenden Qualitätskontrolle am Bau des Europameisterschaftsfußballstadions in Klagenfurt beteiligt, ein Austragungsort der Fußball EM 2008. Dabei machte er aufgrund des Protests der deutschen Nationalmannschaft, die sich in den dortigen Kabinen nicht umziehen wollte, bereits früh Erfahrungen damit, wie solche Nebenräume in Sportbauten hochwertig gestaltet werden können, denn er wurde von der Landeshauptstadt mit dem Innenraumdesign der Mannschaftsumkleiden beauftragt – mit positiver Resonanz. „Im Leistungssport ist Komfort längst akzeptiert“, sagt er, „im kommunalen Sport müssen wir um jede Investition und in jedem einzelnen Projekt um Gestaltungsfreiräume ringen.“ Im Vergleich zum Profisport mute man der Bevölkerung im kommunalen Sport sehr viel zu. Architekten haben seiner Meinung nach bei solchen Sanierungsprojekten eine große Aufgabe, die sehr viel Engagement und Überzeugungsarbeit fordert. Das umzusetzen sei manchmal schon eine Herausforderung, wenn es von Seiten der Betreiber oder kommunal Verantwortlichen heißt „Das muss man halt mal ausmalern“. „Die Zeiten, in denen sich Architekten nur um lukrative Bauten kümmerten und nach der Planung erst wieder zum Richtfest erscheinen, sind meiner Meinung nach vorbei. Wir Architekten müssen wieder sehr viel stärker unsere Verantwortung für den gesellschaftsrelevanten gesamten Bauprozess übernehmen und auch Gremien gegenüber darstellen, welche Aspekte wichtig sind“, sagt Fux. Für ihn sind diese Projekte oft eine Gratwanderung der Zielerreichung mit engen Budgets. „Da schlafe ich schon manchmal schlecht“, sagt er. Sanierungen seien aber viel häufiger lukrativ als man denke. Er hält es auch für Architekten interessant, ein altes Gebäude „wach zu küssen“ und die Betreiber davon zu überzeugen, dass es wertvoll sein kann, verborgene Schätze oder auch einmal ein Dach zu heben.

Sportanlagen als gut gestaltete Begegnungsstätten

Sein Architekturbüro sei immer bemüht, die von ihm bearbeiteten Bauten nutzungsadäquat, ressourcenschonend und nachhaltig fit zu machen. Dabei zählen nicht nur die Sporthallen selbst, sondern auch die Erschließungsflächen und die sogenannten Nebenräume. Garderoben, Duschen, WCs und Abstellräume beispielsweise müssen gut und ansprechend gestaltet, richtig geplant und dimensioniert werden, damit das Projekt als Ganzes funktioniert und stimmig ist. Die Anforderungen an die Gestaltung von Sportanlagen haben sich geändert: Die Nutzer sehnen sich nach haptischen und hochwertigen Oberflächen, nach Farbigkeit und nach natürlichem Licht und, wenn nicht anders möglich, guten künstlichen Beleuchtungskonzepten. Harald Fux möchte Sportstätten vom Image der gestaltungsfreien Zonen befreien und nachhaltig ansprechend gestalten. Seine Beschäftigung mit einem Gebäude beginnt mit dem städtebaulichen Kontext, aus dem unter anderem wesentliche Gestaltungselemente der Architektur entwickelt werden, denen sich das Design und die Gestaltung der Innenräume anschließen. Er erläutert: „Meine Partnerin kommt aus der Sanierung und Stadterneuerung – unsere ersten gemeinsamen Projekte waren Sanierungen mit dem Schwerpunkt der barrierefreien Ertüchtigung. Ein solches Projekt ist eine Seniorenwohngemeinschaft in Wien, die jüngst im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt gezeigt wird. In der Auseinandersetzung mit Barrierefreiheit schließt sich der Kreis zu den Sportanlagen.“ Für ihn sind Sportstätten Begegnungsstätten, an denen Menschen zusammenkommen: die Sportler, die Zuschauer, die Medienleute, die Funktionäre. Als Architekt sucht er die Auseinandersetzung und den Aufbau von Beziehungen mit diesen Nutzergruppen. Das sei auch für die Entwicklung wirtschaftlicher Betreiberkonzepte ratsam, meint Fux. Deshalb sieht er in der Sanierung bestehender Sportstätten und deren nachhaltiger Adaptierung an heutige Anforderungen ein großes und spannendes Thema für die nächsten Jahre.

Multifunktionalität und Nachhaltigkeit als Wirtschaftsfaktor

Ein großes und komplexes Gebäude wie eine Veranstaltungsstätte, ein Stadion, erfordert von der öffentlichen Hand eine so hohe Investition, dass sich diese ohne Multifunktionalität und gewerblich nutzbare Flächen nicht rechnen würde. Auch Schulturnhallen werden an Vereine vermietet oder für Veranstaltungen genutzt und holen damit einen Beitrag für die Erhaltung herein. Das wird von der Öffentlichkeit auch so wahrgenommen. Diese Doppel- und multiplen Nutzungsfähigkeiten dieser Gebäude sind für Architekten eine spannende Herausforderung. Multifunktionalität muss also bereits bei der Planung der Trainings- und Veranstaltungsnutzung berücksichtigt und genehmigungsfähig umsetzbar gemacht werden – nur so kann die nachhaltige Bespielbarkeit auch gewährleistet werden. Eine merkliche Einsparung zur Verringerung der Energiekosten kann aufgrund thermischer Sanierung und besserer Haustechnik erreicht werden. Auch die Verbesserung der Gebäudesubstanz und damit der Lebensdauer eines sanierten Gebäudes muss veranschlagt werden. Wenn die Nutzungsmöglichkeiten noch erweitert werden, kann das zu höheren Einnahmen führen und so die Bilanz verbessern. Grundsätzlich müsse man aber sagen, so Fux, dass sich der Erfolg öffentlicher Gebäude nicht nur in Zahlen messen lässt und sie meist nicht kostendeckend betrieben werden können. Aber, führt er aus: „Investitionen werden in Österreich meinem Eindruck nach gezielter gesetzt als in Deutschland und Fördermittel werden nicht nach dem Gießkannen-Prinzip verteilt.“

Abriss versus Sanierung?

Ein Abriss sei immer eine große Ressourcenverschwendung, meist ist eine durchgreifende Sanierung nachhaltiger, meint Fux. Wert und Substanz solcher Gebäude würden von Architekten häufig unterschätzt. Auch innerstädtische Grundstücksinteressen können zu Abriss und Auslagerung der Sportstätte drängen. Studien über Refurbishments in Städten, z. B. aktuell in Wien, untersuchen solche Auswirkungen der zunehmenden Verdichtung in der Stadt, aus denen u.a. die Fragen resultieren, wie nah sich Wohnbauten und Sportstätten kommen, welche Veranstaltungsorte und -gebäude bereits zur Verfügung stehen und welche Nutzungen in welchen Gebäuden möglich und sinnvoll sind. Entscheidend ist aus seiner Sicht, ob durch Sanierung die sportfunktionellen Anforderungen – also Raumabmessungen in Länge, Breite und Höhe – so entstehen, dass diese auch auf weitere 30 bis 50 Jahre Bestand haben können. Oft sind die Strukturen und Konstruktionen der 1970er und 1980er Jahre architektonisch spannend und hochwertig und sollten erhalten bleiben. Dächer wurden beispielsweise schon erfolgreich gehoben und somit die Raumhöhe an geänderte Anforderungen angepasst. Hallen, die bereits heute zu geringe Abmessungen haben, könnten für andere Trainingszwecke, z. B. Yoga, Pilates oder Kraft- und Ausdauertraining, genutzt werden. Überhaupt sollte über Umnutzung bestehender innerstädtischer Gebäude nachgedacht werden. Der Standort von Sportstätten ist auf jeden Fall ein Thema und bei guten, innerstädtischen Lagen ist der Nutzungsdruck sehr groß. Wenn sich Kommunen fragen, ob man das Grundstück lieber gewinnbringend verkaufen sollte, wäre nach Meinung des Wiener Sportarchitekten im Interesse der Bevölkerung die Sanierung und gegebenenfalls Nachverdichtung des Standortes die bessere und nachhaltigere Maßnahme.

Rubrik: Planen


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