01.03.2013 | Ausgabe 3/2013

Mehr als gesichtslose Kisten

Bei manchen Gewerbe- oder Industriebauten, vor allem in Gewerbegebieten entlang der Autobahnen oder am Rand von Ortschaften, könnte man vermuten, dass das Baukastenprinzip Pate gestanden hat. „Quadratisch, praktisch, gut“ sehen viele Lagerhallen, Produktions- und Bürogebäude aus – einfache, funktionale Baukörper mit anspruchslosem Innenleben und ebenso anspruchslosen Fassaden mit überdimensionaler Außenwerbung prägen das Bild. Doch die Zeiten wandeln sich – nicht zuletzt, weil die Verknappung von Rohstoffen und Energie auch Industrie und Gewerbe zu effizienterem Umgang mit Ressourcen zwingt. Inzwischen gelten Ressourcenschonung und Energieeffizienz bei vielen Unternehmen neben guter Gestaltung ihrer Immobilien als feste Bestandteile des Corporate Identity. Denn welche Firma will heute in der Öffentlichkeit und im Wettbewerb noch als ökologisches Schmuddelkind und Energieverschwender dastehen?

Immer mehr Unternehmen setzen deshalb auf die Zertifizierung ihrer Betriebs- und Verwaltungsgebäude, ebenso wie auf Prüfzeugnisse für Produktionsabläufe, Verwaltungsstrukturen und Produkte. Auch wenn dafür zunächst höhere Investitionskosten notwendig sind, bringen die Ergebnisse doch klare Wettbewerbsvorteile am Markt. Die öffentliche Wahrnehmung hinsichtlich des Umweltbewusstseins und -engagements von Firmen steigert das Ansehen bei Kunden und Geldgebern erheblich und garantiert nicht zuletzt den zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg. Darüber hinaus motiviert es die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrer Firma. Nicht zu vernachlässigen ist auch die Vorbildwirkung, die ein solches Unternehmen in der Gesellschaft hat.

Dass inzwischen zahlreiche Unternehmer ihre Produktions- und Verwaltungsgebäude von Architekten planen lassen, also in hochwertige Gestaltung, energieeffiziente Technik und ökologische Baumaterialien investieren, zeigt, wie wichtig das Selbstbild der Unternehmen und der von ihnen verantworteten Betätigungsfelder geworden ist. Für die Architekten eröffnet es die Chance zu bewusster, mutiger Gestaltung moderner Industrie- und Gewerbebauten, die sich aus dem Grau der Gewerbegebiete abheben und den Unternehmen – ob großem Konzern oder kleinem Handwerksbetrieb – ein eigenes Profil geben.

Aufgabe der Architekten ist es also, in Absprache mit den Auftraggebern aus Industrie und Gewerbe eine hohe Gebäudequalität mit möglichst geringen Aufwendungen und Umwelteinwirkungen bei gleichzeitig hoher Nutzungsqualität zu erreichen und über den gesamten Lebenszyklus aufrecht zu erhalten. Das bedeutet: Industriearchitektur mit hohem Niveau und klarem Stil, bei der Gestaltung und Funktion im sinnvollen Einklang stehen, Minimierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs, Verbesserung der Gesamtwirtschaftlichkeit, Verringerung der Umweltbelastung und Förderung von Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und Produktivität der Nutzer durch gesundheits- und behaglichkeitsunterstützende Maßnahmen. Einige gelungene Beispiele stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe vor. Und auch einige Werkzeuge, mit welchen Mitteln sich dieses Ziel erreichen lässt. Die integrale Betrachtung ökonomischer, ökologischer und soziokultureller Aspekte von Produktions- und Lebenszyklus einer Gewerbeimmobilie bei der Planung von Neubauten ist dabei ebenso wichtig wie bei der Optimierung des Bestandes, meint Ihre

Iris Kopf

Dipl.-Ing. (FH) Iris Kopf
Verantw. Redakteurin

Rubrik: Editorial


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