01.01.2013 | Ausgabe 01-02/2013

Zertifiziert wohnen auf Zeit

Dank des gestiegenen Umweltbewusstseins vieler Menschen wächst auch die Nachfrage nach klimafreundlichen, nachhaltigen Hotels für Urlaub und Tagungen. Die Zahl der Urlaubsreisenden in Deutschland lag 2010 bei 53,4 Mio. (Quelle: Statista), weltweit bei 935 Mio. (Quelle: UNWTO). Bei Geschäftsreisen geht das German Convention Bureau GCB (www.gcb.de) von jährlich rund 2,8 Mio. Veranstaltungen mit 338 Mio. Teilnehmern aus, der Verband Deutsches Reisemanagement VDR (www.vdr-service.de) von mehr als 150 Mio. Bedenkt man, dass selbst moderne Hotels knapp 3 Kilo CO2-Ausstoß pro Übernachtung produzieren, errechnen sich atemberaubende Zahlen – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Hotel- und Reisebranche trägt also hohe Verantwortung in Sachen Klimaschutz.

Die gute Nachricht: Deutschlands Reise- und Veranstaltungsbranche steht im Nachhaltigkeitsengagement im weltweiten Vergleich gar nicht schlecht da. Die hierzulande hohen Standards in Sachen Nachhaltigkeit in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht sind ein wichtiger Wettbewerbsvorteil, dessen Transparenz nach außen von entscheidender Bedeutung ist. Auf der Suche nach grünen Hotels können sich Urlauber und Firmen, die Meetings veranstalten wollen, an verschiedenen Gütesiegeln orientieren. Mit „Green 
Globe“, „EMAS“, „ISO 1401“, Ökoprofit, dem von der EU beworbenen Ecolabel und vielen anderen Zertifikaten ausgezeichnete Häuser zeigen Verantwortung für den Klimaschutz. Fast alle großen Hotelketten bieten ihren Gästen seit einigen Jahren die Möglichkeit einer CO2-Ausgleichszahlung, die an Klimaschutzorganisationen überwiesen wird. Deutschlands Anbieter in der Kongress-, Tagungs- und Event-Branche liegen in Sachen Green Meetings europaweit vorn und nehmen Vorbildfunktion ein. Auf der Agenda steht inzwischen auch das Thema Energieeinsparung. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa) hat bereits vor vier Jahren die „Energiekampagne Gastgewerbe“ gestartet und vergibt ein Gütesiegel für energieeffizienten Betrieb. Daran nehmen mittlerweile deutschlandweit mehr als 5.400 Beherbergungsbetriebe und Gaststätten teil. Für die spezifischen 
Anforderungen des Gastgewerbes und seiner vorranging klein- und mittelständisch geprägten Betriebe bietet die DEHOGA außerdem einen Umweltcheck an (www.dehoga-umweltcheck.de).

Die Beispiele zeigen: Der Markt ist von Zertifikaten überflutet. Sie alle beziehen sich aber in erster Linie auf Kriterien wie Betriebsabläufe, Beschaffung, Erreichbarkeit, Einbindung der Gäste, Integration lokaler Kultur und Nahrungsmittel sowie Ressourcenverbrauch bei Transport, Wasser, Energie, Mobiliar und Verbrauchsmaterialien. Die Beschaffenheit des Gebäudes spielt bisher in diesem Kanon nur eine untergeordnete Rolle. Insofern ist es zu begrüßen, dass die DGNB seit zwei Jahren ein Zertifikat für nachhaltige Hotelneubauten anbietet, an dessen spezifischen Nutzungsmustern sich die Planer beim Neubau unterschiedlichster Hotels orientieren können, inklusive Nachhaltigkeitskriterien für den Betrieb.

Könnte man die Kriterien aller Labels in ein einziges Zertifikat integrieren, wäre damit der Weg durch den Zertifizierungs-Dschungel hin zum grünen Hotel für alle wesentlich leichter, meint Ihre 


Dipl.-Ing. (FH) Iris Kopf
Verantw. Redakteurin


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