01.07.2012 | Ausgabe 07-08/2012

Viel zu schade zum Verbrennen

Wer es früher mit einem Holzofen durchgehend warm haben wollte, musste zuerst Holz hacken, es dann in den Ofen schichten und entzünden, schließlich ständig nachlegen und die Luftzufuhr regeln. Am Ende galt es auch noch, die Asche zu beseitigen. Heute gibt es den Brennstoff Holz in vielen unterschiedlichen Formen – als Hackschnitzel, Pellets, Bri­ketts oder Scheitholz. Anders als früher glaubt man nun, Holzheizöfen in ähnlicher Weise wie moderne Zentralheizungssysteme nur einschalten zu müssen, sich selbst überlassen zu können und einen stundenlang anhaltenden Dauerbrand zu erzielen. Man übersieht dabei, dass auch in modernen Holzfeuerstätten nur ein Schwelbrand entsteht, der eine erhebliche Umweltbelastung verursachen kann. Der bei der Verbrennung entstehende Feinstaub steht im Verdacht, der Gesundheit zu schaden.

Ist Heizen mit Holz also wirklich so nachhaltig und preiswert, wie uns zahlreiche Verbän­de der holzverarbeitenden Industrie suggerieren? Eine Studie des Leipziger Leibniz-Insti­tuts für Troposphärenforschung (IfT) aus dem Jahr 2008 untersuchte die Feinstaubemis­sion von Holz und kam zu dem Ergebnis, dass bereits 2008 die damals über 15 Millionen holzbefeuerten Öfen und Kamine in Deutschland mehr Feinstaub ausstießen als der gesamte Straßenverkehr. Dazu kommt, dass auch Holz – zwar nicht in dem Maße wie andere fossile Brennstoffe – immer teurer wird. Wer mit Holz heizt, muss tiefer in die Ta­sche greifen als noch vor einem Jahr. Innerhalb von zwölf Monaten ist der Preis um zehn Prozent gestiegen. Diese Verteuerung wirkt sich leider auch auf die Preise für Bauholz aus. Wäre es da nicht besser, Holz im Sinne nachhaltigen Wirtschaftens lieber als Baumaterial zu verwenden und nur das nicht mehr verwertbare Restholz zu verbrennen?

Forschungen und Entwicklungen haben in den vergangenen Jahrzehnten dazu beige­tragen, dass Holz und neue Werkstoffe aus Holz auch bei Gebäuden eingesetzt werden können, wo eine Verwendung früher unmöglich war. Wie vielfältig die Möglichkeiten des modernen Holzbaus sind, zeigen zahlreiche Projekte. Einige stellen wir Ihnen in diesem Heft vor. Sie belegen, dass der Verwendung von Holz in der modernen Architektur kaum Grenzen gesetzt sind. Der Holzbau ist technologisch ausgereift, ökologisch erforderlich und über die Laufzeit des Gebäudes ökonomisch vernünftig und nachhaltig. Das wussten schon unsere Vorfahren. Die Architekten, die heute an Holzbau denken, sind allerdings von den traditionellen Holzhäusern vergangener Jahrhunderte weit entfernt. Moderne Holzhäuser sind nachhaltige Immobilien, die den Zeitgeschmack nicht nur in puncto De­sign treffen, sondern aufgrund ihrer hervorragenden Energiebilanzen aktiv zum Schutz der Umwelt und zur Reduktion des CO2-Ausstoßes beitragen. Moderne Gebäude in Holz- oder Hybridbauweise sind nicht nur Garant für besonders komfortables Wohnen und Arbeiten. Sie sind dank Serienproduktion auch für Investoren mit kleinerem Geldbeutel erschwinglich geworden. Eine alte Tradition wurde zum neuen Trend. Moderne Holzarchi­tektur zeigt eindrücklich, dass Holz als Baumaterial wieder mehr Raum in der Baukultur gewinnen muss und wird. Der regenerative Baustoff hat einiges mehr zu bieten als ökolo­gische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit. Hier kommt auch den Kommunen eine Schlüsselrolle zu. Sie müssen sich ihrer Vorbildfunktion bewusst werden und vermehrt mit Holz bauen, das meint Ihre 

Dipl.-Ing. (FH) Iris Kopf
Verantwortliche Redakteurin


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