01.05.2012 | Ausgabe 05/2012

Gebäude für Genesung und Lebensqualität im Alter

Für Architekten stellt sich die Frage nach der optimalen Gestaltung der räumlichen Um­gebung für erkrankte und alte Menschen in besonderem Maße. Bei Gesundheitsbauten soll Architektur den Heilungsprozess unterstützen; altersgerechte Wohngebäude sollen die Qualität eines selbstbestimmten Lebens möglichst lange erhalten. In beiden Fällen trägt das erlebte Umfeld wesentlich zum psychischen und physischen Wohlbefinden des Menschen bei.

Planen und bauen für Gesundheit und Genesung erfordert spezialisiertes Wissen, zum einen über die organisatorischen Strukturen und Betriebsabläufe in einem Krankenhaus, zum anderen über äußere Faktoren, die den Heilungsprozess fördern und beschleunigen. Der Weiterentwicklung in Planung, Bau und Betrieb von Einrichtungen der Gesundheits­fürsorge, der Krankenpflege und der Altenhilfe widmet sich seit 35 Jahren der aus dem Arbeitskreis Krankenhausbau und Gesundheitswesen des BDA hervorgegangene Verein „Architekten für Krankenhausbau und Gesundheitswesen im BDA e. V. (AKG)“. Der Zusam­menschluss von freiberuflich tätigen Architektinnen und Architekten fördert den Informa­tionsaustauch untereinander und mit der Fachöffentlichkeit, nimmt Einfluss auf behörd­liche Regelungen durch Mitwirkung am deutschen Normenwerk und beteiligt sich aktiv am Public Health Work Programme der UIA und anderer internationaler fachbezogener Arbeit. Doch nach wie vor fehlt in Deutschland eine zentrale Plattform, die das gesamte Wissen auf diesem Gebiet bündelt. Mit dem Forschungsvorhaben „Healing Architecture“ im Fachbereich Health Architecture an der Technischen Universität Berlin wird nun die Wirkung optimal geplanter Gesundheitsbauten auf Patienten und Personal erforscht. Ziel ist es, über ein interdisziplinäres Netzwerk aus Forschern der Neurowissenschaft und der planenden Berufe einen Wissenstransfer zu organisieren und Richtlinien für die Planung von Gesundheitsbauten zu entwickeln.

Ganz ähnlich stellen sich die Fragen beim Planen und Bauen für die Generation 50+. Die Le­benserwartung der Deutschen nimmt pro Jahrzehnt um 2,5 Jahre zu (vgl. James W. Vaupel, Biodemography of human aging, in: Nature, (2010) 464, S. 536–542). Gleichzeitig steigt das Risiko an Alzheimer oder Demenz zu erkranken, körperlich gebrechlich zu werden und sich nicht mehr selbst versorgen zu können. Die meisten Senioren streben danach, möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu führen. Doch nicht im­mer ist das möglich, weil die körperlichen Einschränkungen zu groß werden, die geistigen Fähigkeiten nachlassen, die derzeitige Wohnung sich nicht barrierefrei umbauen lässt, die Kinder aufgrund der allen abverlangten Mobilität in eine weit entfernte Stadt gezogen sind oder gar keine Familie mehr da ist, die den alten Menschen pflegen und betreuen könnte. Vielen bleibt also nichts anderes übrig, als in ein Alten(pflege)heim zu ziehen. Diese Zahl wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen. Die altersgerechte und barriere­freie Gestaltung der gebauten Umwelt gewinnt aufgrund des demografischen Wandels immens an Bedeutung. Deshalb werden in den nächsten Jahrzehnten vermehrt Gebäude entstehen oder umgebaut werden müssen, die alten Menschen eine lebenswerte Umge­bung bieten können. Dass Ihnen das gelingen möge, wünscht sich und Ihnen Ihre

Dipl.-Ing. (FH) Iris Kopf
Verantw. Redakteurin


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