01.03.2012 | Ausgabe 03/2012

Ausgebremst

… wird derzeit von der Bundesregierung die Gebäudesanierung und damit ihr eigenes Klimaschutzprogramm. Wenn dieser Zug nicht bald wieder Fahrt aufnimmt, werden sich die Anforderungen der auch von Deutschland mit beschlossenen „EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden – GEEG“ wohl nicht mehr im Zeitrahmen erfüllen lassen, denn sie zielen verstärkt auf den Baubestand ab. Und dort liegt auch der größte Hebel für mehr Nachhaltigkeit. Laut World Economic Forum (www.weforum.org) verbrauchen die Gebäude in den Industrienationen 70 Prozent der gesamten Elektrizität, 37 Prozent der gesamten Energie, 28 Prozent des gesamten Wassers und 30 Prozent an Material. Die Baubranche produziert 35 Prozent des gesamten Deponieabfalls und verursacht weltweit 36 Prozent der CO2-Emissionen, 45 Prozent der SO2-Emissionen, 19 Prozent der NOx-Emissionen und zehn Prozent der Feinstaub-Emissionen.

Umso wichtiger ist es für die Akteure in Politik und Wirtschaft, ihre eigenen und damit auch die globalen Umweltziele in die Praxis umzusetzen und mit entsprechenden Rahmenbedingungen Planern und Investoren die Entwicklung standortspezifischer Nachhaltigkeitskonzepte zu ermöglichen, die im Baubestand greifen. Um ein Gesamtenergieeffizienzniveau zu erreichen, das während der geschätzten wirtschaftlichen Lebensdauer eines Altbaus die niedrigsten Kosten und den höchsten Umweltstandard garantiert, sind aber vor allem auch entsprechende finanzielle Rahmenbedingungen notwendig, die eine solche Sanierung für den Bauherrn lukrativ machen.

Viele Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen orientieren sich nach wie vor fast ausschließlich an den Vergaberichtlinien ö§entlicher Förderungen, die immer mehr zurückgefahren werden. Investitionen konzentrieren sich in erster Linie auf Energieeinsparung, wobei jedoch die Frage aufgeworfen werden muss, ob dadurch nicht andere wichtige Maßnahmen zurückgestellt werden, die die Nachhaltigkeit von Bestandsgebäuden beeinflussen, beispielsweise Effizienz-, Infrastruktur- und Wohnumfeldverbesserungen. Es wird nicht gelingen, Immobilienbesitzern zu verdeutlichen, dass eine systematische
Instandhaltung, Sanierung und Modernisierung eine sinnvolle Investition
ist, wenn sie davon nicht in einem überschaubaren Zeitrahmen profitieren. Da nützen auch die anspruchsvollsten Konzepte der Planer nichts. Viele Maßnahmen werden erst dann in die Budgetplanung aufgenommen, wenn Mietrückstände oder gar Leerstand drohen.

Inzwischen gibt es bereits Nachhaltigkeitsstandards für Bestandsbauten – die Komplexität der Aufgabenstellung beim Bauen im Bestand erfordert aber neben dem Fachund Erfahrungswissen für alle, die damit befasst sind, auch die finanzielle Untersetzung. Nicht nur fehlende Qualifikation, auch unzureichende Finanzierung führt zu Fehlentscheidungen, Vernachlässigung der Substanz und infolgedessen zu Bau- und Umweltschäden mit den entsprechenden negativen Folgen für Eigentümer, Nutzer, Planer, ausführende Unternehmen und nicht zuletzt für die Allgemeinheit. Das meint zumindest Ihre

Dipl.-Ing. (FH) Iris Kopf
Veantw. Redakteurin


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