01.01.2012 | Ausgabe 01-02/2012

Geprüft und zertifiziert

… sollen Bauprodukte künftig sein, damit sie den hohen Anforderungen an die Bewertungs- und Vermarktungskriterien von Immobilien entsprechen. Die Produkt­-Zertifizierung kann sich einerseits auf den Baustoff als solchen konzentrieren, z.B. über die Messung von Schad­stoffemissionen. Andererseits sollte die Beurteilung den gesamten Lebenszyklus eines Baustoffes umfassen – von der Herstellung über den Einbau und die Nutzung bis zur Ab­fallbeseitigung bzw. dem Recycling. Da die meisten derzeit existierenden „Öko­Siegel“ dem nicht gerecht werden, arbeitet das international besetzte „Technical Commitee 207“ schon seit 2008 am internationalen Regelwerk „ISO 14067 – Carbon Footprint of Poducts“. Der CO2-­Fußabdruck von Produkten quantifiziert die Gesamtmenge von Treibhausgasemissio­nen wie Kohlendioxid (CO2), Methan und anderen im Kyoto­-Protokoll genannten Gasen, die von einem Produkt verursacht werden. Bei der Berechnung geht es um die standardisierte Quantifizierung und Zusammenfassung der Treibhausgasemissionen aus dem gesamten Lebenszyklus. Grundlage des neuen Standards bilden die bereits bestehenden ISO-­Stan­dards für die Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Analysis – LCA) für Produktdeklarationen und Treibhausgasberechnungen – ISO 14040/44, ISO 14025 und ISO 14064.

Der aktuelle Entwurf der ISO 14067, der neuen Norm für schätzungsweise 40.000 Produkt­kategorieregeln, sieht sowohl vollständige als auch teilweise Kommunikation des CO2-­Fuß­abdrucks vor, und zwar in Form von Deklarationen, Hinweisen, Berichten und Leistungspro­tokollen. Und obwohl für Mitte 2012 erste Ergebnisse versprochen wurden, kann es trotz aller Bemühungen auf nationaler und internationaler Ebene noch Jahre dauern, bis es eine einheitliche Basis für den Carbon Footprint of Poducts (PCF) für Bauprodukte gibt. Zu verschieden sind nationale Interessen und Bestrebungen von Branchen-Lobbyisten, zu ver­lockend die Ausnutzung bürokratischer Finessen für eigene Vorteile, und zu rasant ist die Entwicklung neuer dem nachhaltigen Bauen geschuldeter Produkte.

Weil also verpflichtende Regelungen für die Verwendung zertifizierter Bauprodukte noch auf sich warten lassen, werden von den Investoren zunehmend Hersteller und Planer in die Pflicht genommen, wenn es ums nachhaltige Bauen und Gebäudezertifizierung geht. Pla­ner können sich dabei aus dem Portfolio an Baumaterialien bedienen, deren Ökobilanzen und gesundheitliche Unbedenklichkeit durch Umwelt-­Produktdeklarationen (EPDs) ausge­wiesen sind. EPDs erfüllen hohe Erwartungen des Marktes für eine Reihe von praktischen Anwendungen und die Einhaltung spezifischer und strikter methodischer Voraussetzungen der Zertifizierung. Basis für die EPDs und von entscheidender Bedeutung für das Konzept der Umwelt­ und Klimaerklärungen sind Product Category Rules (PCRs). Sie ermöglichen die Transparenz für die EPD-­Entwicklung und auch die Vergleichbarkeit zwischen unterschied­lichen, auf den gleichen PCR basierenden EPDs. Die PCR­-Dokumente sind als Ergänzung zu allgemeinen Anforderungen der EPD-­Programme zu betrachten. Sie sind das wahrschein­lich wichtigste Element, um das internationale EPD®-­System zu koordinieren und durch harmonisierte Regeln die verschiedenen EPDs vergleichbar zu machen.

Derzeit sind die EPDs nach DIN ISO 14025 für Planer die einfachste und beste Möglichkeit, die mit einem Bauprodukt verbundenen ökologischen Wirkungen nachzuvollziehen und damit die Zertifizierungswünsche der Immobilienbranche zu erfüllen. Dass dies gelingen möge, wünscht sich und Ihnen Ihre

Dipl.­Ing. (FH) Iris Kopf 
Verantw. Redakteurin


Newsletter
Ja, ich möchte den Newsletter von greenBUILDING abonnieren